Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Callas Assoluta
FR / GR 2007 • 98 Min. • frei ab 0 • franz. O.m.U.
Regie: Philippe Kohly
Buch: Philippe Kohly
mit: Maria Callas, Jean Cocteau, Guiseppe DiStefano, Tito Gobbi, Jacqueline Kennedy, Michel Legrand, Aristoteles Onassis, Pier Paolo Pasolini (s.a. »Die 120 Tage von Sodom«), Tullio Serafin, Luchino Visconti, Franco Zeffirelli
Kamera / Bildgestaltung: Philippe Kohly, Stella Libert, Stéphane Massis
Schnitt / Montage: Annette Dutertre
Sprecher: Philippe Faure

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Doku mit selten zu sehenden Live-Concert-Aufnahmen ...

Königin des Belcanto, Inbegriff der Diva, eleganteste Frau der Welt, Kultobjekt, Göttin. Maria Callas war schon zeitlebens ein Mythos. Maria Callas war die »Primadonna assoluta« des 20. Jahrhunderts. Vor 36 Jahren, am 16. September 1977, verstarb die Operndiva einsam in ihrem Pariser Appartement.
Die öffentliche und die private Callas Paris, 1958: Maria Callas in der Pariser Oper. die Hohepriesterin in ihrem Tempel. Das französische Fernsehen überträgt live zur Primetime, Callas läutet mit ihrem Auftritt den Beginn einer neuen Ära in der französischen Politik ein. Auf dem anschliessenden Festessen lernt sie Onassis kennen und eine leidenschaftliche und tragische Liebesgeschichte nimmt ihren Anfang.
Kindheit und Jugend Die Familie Kalegoropoulos sind griechische Einwanderer, die 1923 in der griechischen Gemeinde in Queens, New York, leben. Ein Sohn wird erwartet doch eine Tochter kommt zur Welt. Die Mutter ist enttäuscht und lässt diese Enttäuschung zeitlebens an Maria aus. Nach der Weltwirtschaftskrise und sechs Umzügen lässt sich die Familie in einem Arbeiterviertel zwischen Harlem und der Bronx nieder. Maria darf nicht mit anderen Kindern spielen, sie ist einsam und muss oft die Schule wechseln. Als sie mit dem Singen beginnt, ist ihre Mutter begeistert und steuert die musikalische Ausbildung. In einer örtlichen Bibliothek hört Maria eine Aufnahme von Rosa Poncelle, der berühmten »Norma« der Met. Schulauftritte folgen und Gesangswettbewerbe im Radio. In einem gewinnt Maria den zweiten Preis und ihre Stimme wird zum ersten Mal aufgezeichnet. Mit 13 geht die Mutter mit ihren beiden Töchtern zurück nach Athen. Maria fühlt sich fremd, spricht nur schlecht griechisch, hat vor lauter Klavier- und Gesangsstunden kaum Freizeit, entwickelt Essstörungen. In ihrer Gesangslehrerin Elvira de Hidalgo findet sie eine Ersatzmutter und erhält ein Stipendium für das Athener Konservatorium. Mit 17 bekommt sie ihre erste Gage als Sängerin. 1941 wird Athen von den deutschen Nationalsozialisten besetzt. Das Volk hungert, aber das Opernleben wird am Leben gehalten. Maria Callas bekommt mit 18 ihre erste Hauptrolle (»Tosca«) und singt vor deutschen Offizieren. Mit ihrem Gesangspartner hat sie ihre erste Affäre. Nach der Befreiung 1944 darf Maria nicht mehr auftreten, weil sie sich von den Nazis hat engagieren lassen.

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Karrierebeginn Maria Callas fährt alleine nach New York, zum Vater. Dort ist sie nur ein Provinzsternchen, Vorsingen bleiben erfolglos, sie hält sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Zenatella, der Direktor des Festivals von Verona, entdeckt Maria für die Rolle der »Gioconda«, die sie vor 23.000 Menschen singt. Sie lernt den Industriellen und Opernliebhaber Battista Meneghini kennen, der ihr Agent und Liebhaber wird. In Italien muss sie unpassende dramatische Rollen auf kleinen Bühnen singen. Sie geht wieder nach New York. Dort wird sie von Francesco Siciliani wieder für Italien engagiert, sie soll in Florenz auftreten. Zum ersten Mal gibt sie die »Norma«. Im Januar 1949 ist sie an der Fenice-Oper in Venedig, singt die »Walküre« und ersetzt binnen einer Woche die kranke Sängerin der »Elvira« in »I Puritani«. Sie meistert drei Oktaven und begeistert ganz Italien. Es folgt die Hochzeit mit Meneghini und der Entwurf eines Projekts: LA CALLAS.
Star! Argentinien, Mexiko. Südamerika liegt ihr zu Füßen. Maria lässt ihre Mutter kommen, die auf Zuwendungen hofft und ihre Tochter mit Verleumdungskampagnen erpressen will. Es kommt zum völligen Kontaktabbruch. Später wird die Mutter Maria tatsächlich in einem Interview als undankbare Tochter darstellen. Gesanglich erreicht sie eine neue Stufe, sie entdeckt das Belcanto-Repertoire für sich: Bellini, Donizetti, Verdi. An der Mailänder Scala ist diese Rollenfach von Renata Tebalda besetzt , trotzdem schafft Maria Callas dort durch ihre Vielseitigkeit und Disziplin den Durchbruch: 1955 wird dort ihr erfolgreichstes Jahr. Auch äußerlich sieht man ihr die Starentwicklung an, sie nimmt ab, überwindet die Bulimie, entdeckt die Mode und gute Fotografen. Sie freundet sich mit Luchino Visconti an, der für sie seine ersten Opern inszeniert. An der Scala singt sie zum zweiten Mal die »Norma« in der Rolle einer leidenschaftlich wütenden Frau, hinter der ein warmherziger Mensch steckt, erkennt sie sich wieder. Der beginnende Starruhm bringt eine innere Spaltung mit sich, als Callas wird sie wie eine Göttin verehrt, als Frau fühlt sie sich ungeliebt und unsicher. Öffentlich ist sie eine Diva in der Tradition der Duse und der Bernhardt, als Sängerin und Schauspielerin gleichermassen, privat ist sie bürgerlich und penibel. 1956 regiert sie die Scala allein. Renata Tebaldi ist an die Met gegangen. Dorthin (wo sie als junge Sängerin abgelehnt wurde) zieht es auch die Callas. Ihre »Norma« wird ein verspäteter Triumph. Auch ihr Privatleben wird aufregender, sie geht auf Partys, hat jüngere Freundinnen und emanzipiert sich mehr und mehr vom deutlich älteren Meneghini.

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Liebesentzug
In Athen fällt zum ersten Mal in Maria Callas’ Karriere ein Konzert wegen Stimmproblemen aus. In Edinburgh bittet sie im letzten von fünf Auftritten um Ersetzung. Bilder gehen um die Welt, in der sie auf ausschweifenden Partys ihrer in sie vernarrten Freundin Elsa Maxwell zu sehen ist, als Umschwärmte des internationalen Jet Sets. Drei Monate später in Rom der Skandal: In einer »Norma«-Vorstellung, live im Fernsehen übertragen, in Anwesenheit des italienischen Präsidenten, vor Menschen, die tagelang für ihre Karte angestanden haben, versagt ihre Stimme. Maria Callas flieht durch den Hinterausgang vor einer aufgebrachten Menge. Niemand glaubt ihr die Stimmprobleme, sie wird als kapriziös und frivol bezeichnet. Maria Callas geht nach Lissabon und singt die »Traviata«. In Mailand versucht sie es wieder vor italienischem Publikum mit der »Anna Boleyn« mit mässigem Erfolg. Nach kurzer Rast am Gardasee geht sie auf USA-Tour, dort will sie nicht das Repertoire des letzten Jahres singen und wird daraufhin von der Met gefeuert. Auch in Paris gibt es Schwierigkeiten mit den Vorgaben des übertragenden Fernsehsenders, die hohen Ansprüche des Publikums, das keine Schwäche duldet, wird ihr bei angeschlagenem Selbstbewusstsein zur Qual. Sie haben eine Diva aufs Podest gehoben, doch der Mensch dahinter wird nicht akzeptiert. Ein einziger Ausfall als Folge einer Erkältung hat jahrelange Konsequenzen. Das Verhältnis zu Kritikern und Publikum ist getrübt. Als Maria Callas Aristoteles Onassis kennen lernt und sich von ihm verführen lässt, stürzt sich die Presse auf ihren Scheidungsprozess gegen Meneghini. Wieder wird das Bild der Undankbaren kolportiert. Eine private Tragödie kommt hinzu: die Sängerin bringt einen Jungen zur Welt, der noch am Tag seiner Geburt stirbt. 1960 singt sie nur zwei Opern. Sie macht weniger Termine und verlangt sich nicht mehr soviel ab wie früher. 1961 noch ein grosser Triumph: als »Medea« im historischen Amphitheater von Epidavros. Die Callas singt ihre Lebensrolle und muss 17 Zugaben singen. Onassis besucht sie nur manchmal, die Sängerin lebt einsam in einem Hotelzimmer in Paris. Der junge Regisseur Franco Zeffirelli holt sie wieder auf die Bühne. Eine weitere »Norma«, eine weitere »Tosca«, doch die Ermüdungserscheinungen sind offensichtlich. Mit 41 Jahren nimmt Maria Callas Abschied von der Oper.

Leben nach der Oper
Maria Callas zieht nach Skorpios, auf die Privatinsel von Onassis. Sie nimmt die griechische Staatsbürgerschaft an, um den Reeder heiraten zu können, doch der heiratet, ohne sie vorzuwarnen, die Präsidentinnenwitwe Jackie Kennedy. Pier Paolo Pasolini bietet ihr die Hauptrolle in seiner »Medea«-Verfilmung an, sie spielt leidenschaftlich, aber der Film wird ein Misserfolg. Kurz danach begeht sie in Paris einen Selbstmordversuch. Eine neue Aufgabe sollen die Meisterklassen werden, die sie in New York an der Juilliard School gibt. Doch auch das ist ein kurzzeitiges Engagement. Immer noch trifft sie Onassis. Als sie sich auf eine Affäre mit ihrem alten Partner Giuseppe di Stefano einlässt, überredet er sie, mit ihm auf Konzertreise zu gehen. Die Auftritte machen deutlich, wie sehr ihre Stimme nachgelassen hat. Die letzten Jahre verbringt sie in Paris. Ohne rechte Aufgabe. Sie gibt Interviews, hört ihre alten Aufnahmen, nimmt Schlaf- und Aufputschmittel. Kurz nach dem Tod von Onassis stirbt auch Maria Callas an einer Lungenembolie. Ihre Asche wird gestohlen, angeblich taucht sie aber wieder auf, kurz bevor sie in Griechenland beigesetzt werden soll. Kein Museum bemüht sich um den Nachlass, er wird an Privatleute versteigert ...

Dieser Film lief im Xenon im Dezember 2007, März 2008 und viele Male hinterher ...