Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Boy Culture
USA 2006 • 88 Min. • dt. Fassung • frei ab 16
Regie: Q. Alan Brocka
Buch: Philip Pierce, Q. Allan Brocka nach dem gleichnamigen Roman von Matthew Rettenmund
mit: Derek Magyar, George Jonson, Patrick Bauchau (s.a. »Panic Room«), Darryl Stephens (s.a. »Another Gay Movie«), Jonathon Trent
Kamera / Bildgestaltung: Joshua Hess
Schnitt / Montage: Phillip J. Bartell
Musik: Ryan Beveridge


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X ist Callboy in Seattle ...

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mit seinen Mitbewohnern Joey und Andrew teilt er sich eine 3er-WG in einem schicken Loft ...

... und so fängt es an: Diese Geschichte ­ meine Geschichte ­ ist ein Geständnis. Und wie man weiß, sind Geständnisse die besten Geschichten. Frag den Pfarrer um die Ecke, und er wird sagen: »Sieh und lern von den Sünden, die dir berichtet werden.« beziehungsweise lehn dich zurück und genieß all die schmutzigen Details … Ich bin zwar nicht katholisch, aber ich habe genügend Priester kennen gelernt, um eines zu wissen: Beichten sind stets anonym. Und ganz in dieser guten, alten Tradition, nenn mich: X.
Alles begann vor circa einem Jahr. Ich war auf dem Weg zur Arbeit und dachte an rein gar nichts. Wirklich! Du kennst mich nur noch nicht. Für den gewöhnlichen Fahrgast mag es wohl ersichtlich sein, dass ich mir wahllos ein Opfer zum flirten herausgegriffen hatte. Aber dieses blonde, heiße Etwas mir schräg gegenüber ist nicht ziellos das Objekt meiner Begierde. Er ging mit mir zur Schule. Damals fand ich ihn nicht im Mindesten erregend. Doch heute sieht Blondie irgendwie anders aus. Eigentlich sieht er immer noch so aus wie damals, vielleicht betrachte ich ihn nur aus einem anderen Blickwinkel. In meinem Inneren fühle ich etwas, dass ich seit der siebten Klasse nicht mehr gespürt habe. Vergib mir Vater, denn es gelüstet mir …


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als einer seiner Stammkunden das Zeitliche segnet, nimmt er sich mit dem alten Gregory einen Neuen, anfangs reden sie aber nur miteinander, d.h. X lässt sich Gregorys (vermeintliche) Lebensgeschichte erzählen ...

Keine Angst, ich werde nicht in seinen muskulösen Armen enden, obwohl ich einige erlesene Momente in ihnen verbracht habe. Aber hier geht es nicht um ihn, hier geht es um mich ­ und: ich bin spät dran. Bist du ein wenig smarter als der Rest der Welt, dann wirst du schon längst erraten haben, dass ich ein Stricher bin. Falls nicht, zwei Anhaltspunkte: Ich bin schwul und sie drehen einen Film über mich. Aber Vorsicht, ich verkörpere nicht das typische Bild eines Callboys. Ich arbeite nur auf Empfehlung und kassiere ‚ne Menge Kohle dafür. Meine Klientel ist auf zwölf Stammkunden limitiert. und auch nur solche, die mir meinen gehobenen Lifestyle finanzieren können. Meine Jünger. Als da wären: der Richter, Mister Doppelkinn, Chaps, Daddys Boy, Gin Martini, der Buchhalter, Vater von Sechs, die Mumie, Schreihals, Bruce Lee, Pfefferminz und der Asthmatiker. Leider hat Asthmatiker mit dem Atmen letzte Woche aufgehört. Nicht was du jetzt denkst ­ und auch nicht auf natürlichem Wege. Doch umso besser für Gregory, den Neuen. Er soll äußerst zurückgezogen leben. Ich werde ihn Opa nennen ...
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X hat sich in seinen Mitbewohner Andrew verliebt, doch ist er nicht bereit für Sex ausserhalb seiner Berufung als Stricher ... Andrew beschliesst auszuziehen und packt seine Sachen


X liebt seinen Beruf und noch viel mehr das Geld, dass er dabei verdient, um sich seinen exquisiten Lifestyle zu finanzieren. Dessen ungeachtet, hat er dabei nie mehr als zwölf Kunden - seine »Jünger«, wie er sie nennt - in der Kartei. Er teilt sein schickes Loft mit seinen beiden höchst attraktiven Mitbewohnern, dem eben erst volljährig gewordene Testosteron-Pulverfass Joey, der an X täglich seine Verführungskünste vervollkommnet aber so schnuckelig der hormongesteuerte Youngster auch sein mag, X hat nur Augen für den knackigen und nicht weniger zügellosen Hunk Andrew, der nach Joey’s Vorbild seine Neigungen lieber mit wechselnden Jungs auslebt. Andrew wäre perfektes Beziehungs-Material, doch für X existiert kein Sex außerhalb der Arbeit, ein Stricher mit Moral, eine Hure die keine Schlampe ist, er hebt sich für den Richtigen auf.

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ähnlich wie in Gregorys Lebensgeschichte 50 Jahre früher, begegnen sich X und Andrew im Treppenhaus, aber wird Andrew bleiben? (schliesslich ist an Gregorys Geschichte auch nicht alles 100%-wahr ...)

Um das Quartett zu vervollständigen wäre da noch Gregory, ein äußerst zurückgezogen lebender Kunde, ein perfekter Gentleman und Connaisseur der alten Schule, der in X sein jüngeres Ich erkennt. Gregory zahlt, doch bevor er dem unwiderstehlichen Callboy in Sachen Sex seine Zustimmung erteilt, erzählt er eine außergewöhnliche, fünfzig Jahre überspannende Liebesgeschichte und verführt X zu Gefühlen die er im Job seit Jahren unterdrückt hat: Emotionen ...

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X ist von Gregorys Geschichte fasziniert und bereit zum ersten Sex ...

Dieser Film lief im Xenon im April und Mai 2007