Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Nach einer wahren Geschichte
»Based On A True Story« NL 2004 • 75 Min. • engl.O.m.U.
Regie: Walter Stokman
Buch: Walter Stokman
mit: Doku
Kamera / Bildgestaltung: Jackó van’t Hof
Schnitt / Montage: Menno Boerema
Musik: Ronald Kool

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John Wojtowicz überfällt eine Bankfiliale in Brooklyn ... Sidney Lumet verfilmte die Story später mit Al Pacino in der Hauptrolle ...

1972 überfiel John Wojtowicz eine Bankfiliale in Brooklyn, um mit der Beute die Geschlechtsumwandlung seines Geliebten zu finanzieren; er nahm Geiseln und wurde schließlich am Flugplatz überwältigt. Sidney Lumets Film »Hundstage - Dog Day Afternoon« mit Al Pacino basiert auf diesen Vorgängen. Stokman holt die Beteiligten von damals - Geiseln, Polizisten - vor die Kamera, nur Wojtowicz stellt sich quer. Wir hören lediglich seine Stimme aus Telefonaten mit dem Regisseur, in denen der Bankräuber seine Kooperation von absurden Forderungen abhängig macht ...
Bei der Gerichtsverhandlung wird John Wojtowicz erklären, er wollte mit der Beute die Geschlechtsumwandlung seines Liebhabers Ernie Aaron alias Liz finanzieren und so dessen Leidensweg mit Selbstmordversuchen und Aufenthalten in der psychiatrischen Klinik beenden. Das spektakuläre Motiv macht den Fall für die Massenmedien interessant. Eine TV-Moderatorin lädt Liz in ihre Talkshow ein ­ und lässt John anschließend Grüße aus dem Gefängnis in die Kamera sprechen: »Es war wohl Liebe«, sagt John, »denn Liz war lausig im Bett.« Die Ironie der Geschichte: Erst durch das Geld, das Hollywood ihr für die Story zahlte, kann sich Liz die Operation leisten ­ ihrem Liebhaber ist sie nie mehr begegnet. Liz stirbt 1987 an den Folgen von Aids. Als Wojtowicz seine Strafe verbüßt hat, kehrt er nach Brooklyn zurück und zieht in ein Haus, das nur wenige Häuserblocks vom Ort seines Überfalls entfernt ist. Seither führt John Wojtowicz ein Leben im Schatten einer filmischen Erinnerung, die nicht die seine ist. Unter den vielen Augenzeugen, die sich nach der Tat und aus Anlass ihrer Verfilmung zum Verlauf des 14-stündigen Geiseldramas äußerten, fehlte bislang Wojtowicz’ Darstellung. In Walter Stokmans Film bekommt man sie ­ wenn auch anders als geplant - erstmals zu hören.

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Wojtowicz erklärt später, das Geld aus dem Überfall für eine Geschlechtsumwandlung seines Freundes zu benötigen ... Ernie Aaron, die spätere Liz, konnte die OP erst bezahlen, als das Geld für die Filmrechte an der Story kam ...