Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Kurzfilmprogramm Jan Krüger

Vier Kurzfilme von Jan Krüger (s.a. »Auf der Suche« und »Rückenwind«)
1. Verführung von Engeln (2000)
2. Freunde (2001)
3. Tango Apasionado (2006)
4. Hotel Paradijs (2007)
www.jank-home.de

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Engel ­ Freunde ­ Liebhaber. Die vier Kurzfilme von Jan Krüger erzählen beobachtend und oft überraschend von der Nähe und der Distanz, von Abhängigkeiten und dem Außer-Sich-Sein in Beziehungen und Freundschaften ­ unter Jungs, Männern und Engeln.
Jan Krüger, geboren 1973 in Aachen, Absolvent der Kölner Kunsthochschule für Medien, ist ein großes Talent des neuen deutschen Films. Seine Filme stehen vor allem im Ausland schon für eine neue Richtung und ein neues Selbstbewusstsein des deutschen Kinos. Seine hier zusammengestellten Kurzfilme zeigen warum ...

Verführung von Engeln
D 2000 • 6 Min.
Regie: Jan Krüger
Buch: Jan Krüger
mit: Christian Buba, Geraldine Rose, Marc Pohl, Udo Lindenberg
Kamera: Oliver Schwabe
Schnitt: Rita Schwarze
Musik: Udo Lindenberg

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Udo Lindenberg singt Bertolt Brechts Verführung von Engeln: Ein junger Mann durchstreift die nächtliche Stadt. Auf seinem Weg trifft er verführerische Menschen, ohne ihnen wirklich nahe kommen zu können: die schöne, entrückte Frau im Hauseingang, das ins Liebesspiel versunkene Paar, den fordernden jungen Mann im Schatten der Neonlichter. Ein flüchtiger Bilderstrom von Verführung, Sehnsucht und Erotik. In einem rätselhaften Nachtclub treffen sich alle wieder.
Entstanden an der Kunsthochschule für Medien Köln als Musikvideo für Udo Lindenberg. Ein schwebender, tänzerischer schwuler Bilderreigen, der in seinen grobkörnigen Schwarzweiß-Aufnahmen an die Ästhetik von Derek Jarman erinnert. Jan Krügers ?Nähe und Distanz’-Thema spiegelt sich im Brecht-Gedicht: »Engel verführt man gar nicht ­ oder schnell.« Das Gedicht erschien 1948 und wurde von Brecht scherzhaft mit
»Thomas Mann« unterzeichnet. Eine Provokation des bürgerlichen Schwulen und politisch Konservativen, allerdings zu Lebzeiten nicht veröffentlicht.

Originaltext von Bertolt Brecht Über die Verführung von Engeln Engel verführt man gar nicht oder schnell. Verzieh ihn einfach in den Hauseingang Steck ihm die Zunge in den Hals und lang Ihm untern Rock, bis er sich nass macht, stell Ihn, das Gesicht zur Wand, heb ihm den Rock Und fick ihn. Stöhnt er irgendwie beklommen Dann halt ihn fest und lass ihn zweimal kommen Sonst hat er dir am Ende einen Schock. Ermahn ihn, dass er gut den Hintern schwenkt Heiß ihn dir ruhig an die Hoden zu fassen Sag ihm, er darf sich furchtlos fallen lassen Dieweil er zwischen Erd und Himmel hängt - Doch schau ihm nicht beim Ficken ins Gesicht Und seine Flügel, Mensch, zerdrück sie nicht.
Bertolt Brecht, 1948

Freunde (s.a. »Dt. Kurzfilmpreis 2002 Unterwegs«)
D 2001 • 21 Min.
Regie: Jan Krüger
Buch: Jan Krüger
mit: Marlon Kittel (s.a. »Sommersturm«), Martin Kiefer, Rose Bender
Kamera: Oliver Schwabe
Schnitt: Rita Schwarze
Musik: --

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»Eine Jungen-Freundschaft, pendelnd zwischen Kameradschaft und Erotik: der kurze, ungeheuer intensive Film zeigt kostbare Augenblicke dieser Verbindung zweier Heranwachsender, Erinnerungssplitter, scheinbar zusammenhanglose Momentaufnahmen, die nicht einer konventionellen, narrativen Logik folgen. Es entsteht so etwas wie ein Porträt dieser Freundschaft, in der sich Faszination, Neugierde, Treue und Verrat, und ein uneingestandenes Gefühl echter Liebe mischen. FREUNDE enthält in seiner lakonischen Dichte, in seiner Knappheit die Dramatik eines ganzen Jugendromans, mit dem Abschied von der Kindheit und dem Gang ins Ungewisse.«
Jury-Begründung Nominierung für den Förderpreis für den besten Absolventen-Spielfilm 2001
Tango Apasionado
D 2006 • 13 Min.
Regie: Jan Krüger
Buch: Jan Krüger
mit: Arndt Schwering-Sohnrey, Martin Kiefer, Margarita Breitkreiz
Kamera: Bernadette Paassen (s.a. »Unter Männern« und »Auf der Suche« und »Rückenwind«)
Schnitt: --
Musik: --

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Im Auftrag des Internationalen Filmfestivals Rotterdam 2006, zu Ehren von Michael Haneke im Rahmen von »Meet the Maestro«
Zwei Männer in einer Liebesbeziehung. In nur wenigen Sätzen und Gesten scheinen ihre gemeinsame Vergangenheit auf, ihre Sehnsüchte, ihre Zweifel. Vielleicht geht es aber auch weniger um die Männer. Vielleicht geht es um uns selber, um das Hinschauen an sich …
Hotel Paradijs
D 2007 • 30 Min.
Regie: Jan Krüger
Buch: Jan Krüger
mit: Martin Kiefer, Terence Schreurs, Barry Atsma
Kamera: Oliver Schwabe
Schnitt: Natali Barrey (s.a. »Auf der Suche«)
Musik: Birger Claussen (s.a. »Auf der Suche«)

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Paul überquert jeden Tag den Kanal, der die Innenstadt von Amsterdam von dem Industriegebiet trennt, in dem sein Liebhaber auf ihn wartet. Bis er eines Tages auf Claire trifft, die ihn in ihre Welt entführt. Sie macht ihn zum Zuschauer ihrer Hingabe ­ für Paul eine neue Rolle, der er immer weniger gewachsen scheint ...

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