Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Die Wunde
»Inxeba« RSA / D / NL / FRA 2017 • 88 Min. • xhosa O.m.U.
Regie: John Trengove
Buch: John Trengove, Thando MgQolozana, Malusi Bengu
mit: Nakhane Toré, Bongile Mantsai, Niza Jay Ncovini, Thobani Mseleni
Kamera / Bildgestaltung: Paul Özgür
Schnitt / Montage: Matthew Swanepoel
Musik: Joao Orecchia

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Eastern Cape in Südafrika. Xolani, ein stiller Fabrikarbeiter, reist in ein abgelegenes Camp in den Bergen, um als Mentor an einem uralten Beschneidungsritual der Xhosa teilzunehmen. Dabei soll er sich vor allem um Kwanda kümmern, einen rebellischen Teenager aus Johannesburg. Während Kwanda in einer Hütte auf die Heilung seiner Wunde wartet, trifft Xolani heimlich seinen alten Freund Vija wieder, einen verheirateten Mann, den er nur einmal im Jahr, am Rande des Rituals sieht. Wie immer haben die beiden wilden Sex, doch diesmal gesteht Xolani dem Freund auch seine Liebe. Als Kwanda, der selbst schwul ist, hinter das Geheimnis seiner Mentoren kommt, steht Xolani vor einer folgenschweren Entscheidung ...

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Bereits in seinem preisgekrönten Kurzfilm »Die Ziege« (2014) widmete sich Regisseur John Trengove dem Ukwaluka-Beschneidungsritus seiner südafrikanischen Heimat. In seinem Spielfilmdebüt DIE WUNDE bettet er darin die Geschichte einer schwulen Liebesbeziehung ein und bricht damit gleich zwei Tabus auf einmal: Bis heute wird in weiten Teilen der südafrikanischen Gesellschaft weder über Ukwaluka noch über Homosexualität offen gesprochen. DIE WUNDE hatte seine Weltpremiere im Wettbewerb vonSundance und eröffnete zwei Wochen später das Panorama der diesjährigen Berlinale.

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DAS RITUAL
Ukwaluka ist ein traditionelles Beschneidungsritual zur Initiation junger Männer, das unter den Xhosa in Südafrika noch weit verbreitet ist. Zweimal im Jahr verlassen heranwachsende Männer ihre Gemeinschaften und leben in abgeschiedenen Camps, wo sie rituell beschnitten werden. Mehrere Wochen lang werden die Beschnittenen von jungen Männern aus ihren Gemeinschaften (soganennten Khankathas) gepflegt und betreut. Danach kehren sie nach Hause zurück und nehmen von da an die Rechte und Pflichten Erwachsener wahr. Die Praxis des Ukwaluka steht zunehmend in der Kritik, vor allem hinsichtlich ihrer Sicherheit und Relevanz. Nach wie vor ist sie jedoch ein Eckpfeiler der traditionellen Kultur der Xhosa und gilt als das wichtigste Ereignis im Leben eines Mannes. Xhosa-Männern ist es eigentlich verboten, offen über ihre Erfahrungen mit Ukwaluka zu sprechen. Ausgerechnet Nelson Mandela brach bereits 1994 dieses Tabu und beschrieb seine Initiation in seiner Autobiografie »Der lange Weg zur Freiheit«. Das Ritual ist auch das Thema von »A Man Who Is Not A Man« (2009), dem Debütroman von Thando Mgqolozana, dem Co-Autor von DIE WUNDE.

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Dieser Film lief im Xenon im September 2017