Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Beauty
»Skoonheid« RSA / F 2011 • 105 Min. • frei ab 16
Regie: Oliver Hermanus
Buch: Didier Costet, Oliver Hermanus
mit: Charlie Keegan, Deon Lotz, Albert Maritz, Roeline Daneel, Sue Diepeveen, Michelle Scott
Kamera / Bildgestaltung: Jamie Ramsay
Schnitt / Montage: George Hanmer
Musik: Ben Ludik
Queer Palm Award: Bester Spielfilm, Cannes Filmfestival 2011
Beitrag Südafrikas für die 84. Academy Awards »Bester fremdsprachiger Film« 2012

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Francois ist bei der Hochzeit seiner Tochter fasziniert von dem jungen Christian aus Kapstadt ...

Bloemfontein, Südafrika, Gegenwart. Francois van Heerden ist ein Bär von einem Mann, groß, stark gebaut und mächtig behaart. Es scheint nichts zu geben, was ihn erschüttern könnte. Darüber hinaus hat er alles, was man sichwünschen kann. Er leitet ein Sägewerk, besitzt ein großes, gut eingerichtetes Haus und hat zwei bildhübsche Töchter, die mittlerweile ausgezogen sind. Francois gehört zur gehobenen Mittelklasse, die ausschließlich aus Weißen besteht. Doch die wohlgeordnete Idylle trügt. Emotional ist der Mitte Vierziger völlig abgestumpft gegenüber seiner Frau, seinem Land, sich selbst und seiner seit Jahren unterdrückten Homosexualität. Jegliche Leidenschaft ist einer zwanghaft angespannten Routine gewichen. Gleich zu Beginn erfahren wir von seinen unkontrollierten Wutausbrüchen, Symptome der Verdrängung, die sich stets aufs Neue einen Weg an die Oberfläche suchen - ein Ventil. Gelegentlich befreit er sich in streng geheimen, heftigen Sextreffen mit Gleichgesinnten, bei der einzig und allein die Regel gilt: keine Schwuchteln und keine Schwarzen . Nach solch trunkenen Orgien mit schwulen Hardcore Pornos im Hintergrund als Stimulanz, kehren die Männer wieder zurück zu ihren Familien, in den Schoß der Kirche, als sei nichts geschehen. Auf der Hochzeit seiner ältesten Tochter trifft Francois zum ersten Mal den zwanzig Jahre jüngeren Jurastudenten Christian, Sohn der befreundeten Familie Roodt und modelnden Neffen. Gierig verschlingen seine hungrigen Blicke den gut aussehenden Adonis aus Kapstadt. Schnell ahnt man, dass diese Blicke durchaus mehr darstellen, als was sich zunächst vermuten lässt. Doch Francois hat nie gelernt, seine Wünsche auf eine positive Art und Weise auszuleben. Hingerissen von dem attraktiven 23-jährigen wird der junge Mann zum Objekt einer neu erwachten Begierde. Er beginnt Christian nachzustellen, erfindet ständig neue Vorwände, um ans Kap zu müssen und verstrickt sich dabei immer tiefer in eine bedrohliche Spirale aus derber Lust und verdrängter Leidenschaft. Schließlich explodiert Francois gleich einer unmenschlichen Kanonkugel, nach dem ihn Christian nachts betrunken aus einer Szene-Bar zurück ins Hotel bringt …

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von seiner Frau hat er sich entfremdet ...

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Christian ist der Sohn der befreundeten Roodts ...

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»Bei der Vorbereitung zum Film habe ich immer wieder an Thomas Manns Roman »Tod in Venedig« gedacht. Vor allem daran, wie die Hauptfigur mit der Schönheit umgeht, was sie für ihn bedeutet. Schönheit ist für die meisten Menschen ein besonderer Wert, die meisten Menschen wollen die Schönheit besitzen, wenn sie sie in ihren Bann gezogen hat.« Oliver Hermanus

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Francois lädt die Familie Roodt zum gemeinsamen Essen ein ...

Dieser Film lief im Xenon im März bis April 2012