Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Paris war eine Frau - Paris Was A Woman
UK / USA / D 1996 • 75 Min. • engl.O.m.U.
Regie: Greta Schiller
Buch und Recherche: Andrea Weiss (s.a. »Escape To Life«)
Erzählerin: Juliet Stevenson (s.a. »Bend it like Beckham« und »Food of Love«)
Kamera / Bildgestaltung: Nurith Aviv, Greta Schiller, Renato Tonelli, Fawn Yacker
Schnitt / Montage: Greta Schiller
Musik: Janette Mason

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Colette, Djuna Barnes, Gertrude Stein, Natalie Cillford Barney. Jede einzelne von ihnen ein Genie - und welch atemberaubendes Potential an kreativer Energie, als die berühmtesten Künstlerinnen der Moderne im ersten Viertel dieses Jahrhunderts in Paris zusammentrafen. Sie begegneten einander nicht zufällig, sondern sie entschieden sich bewusst für die Gemeinschaft, in der ihre Schicksale auf vielfältige und oft überraschende Weise miteinander verflochten waren. Sie bildeten jedoch keine monolithische Gruppe: Uneinigkeiten und Konflikte gab es vor allem hinsichtlich künstlerischer Schwerpunkte, politischer Ansichten und Sexualität. Doch traten diese hinter ihrer Freundschaft und dem Respekt vor der Arbeit der jeweils anderen zurück. Wie unterschiedlich ihre Voraussetzungen und Ziele auch waren, was sie vereinte war die Liebe zu Paris, dessen weibliche Eigenschaften es ihnen ermöglichte, sich auf unkonventionelle und selbständige Weise zu verwirklichen und dabei radikale Wege zu beschreiten. Paris bot ihnen die Freiheit, zu leben und zu lieben, wie und wen sie wollten - auch wenn es, wie in ihrem Fall, meistens andere Frauen waren ...

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Berenice Abbott
amerikanische Fotografin, deren Karriere damit begann, dass sie während ihrer Mittagspause in Man Rays Studio Portraitaufnahmen von ihren Freunden anfertigte.
Margaret Anderson
Gründerin und Herausgeberin von The Little Review, eines der wichtigsten avantgardistischen Literatur-Magazine in der Zeit zwischen den Weltkriegen.
Djuna Barnes
Romanautorin, Journalistin, Satirikerin und Bildende Künstlerin, deren bekanntestes Werk der ?underground’-Klassiker Nachtgewächs ist.
Natalie Clifford Barney
amerikanische, äußerst wohlhabende und berüchtigte lesbische Schriftstellerin und Salon-Gastgeberin, die 70 Jahre lang in Paris lebte.
Sylvia Beach
Tochter eines presbyterianischen Priesters; sie gründete den Buchladen Shakespeare and Company und war die erste Verlegerin von James Joyces Ulysses.
Germaine Beaumont
Schützling und Vertraute von Colette; französische Journalistin und Romanautorin, der der angesehene Prix Theopraste Renaudot für Literatur verliehen wurde.
Romaine Brooks
amerikanische Malerin, die eindringliche Portraits in gedämpften Farben anfertigte; lebenslange Freundin von Natalie Barney.
Bryher (Winifred Ellerman)
reiche, englische Erbin, Verlegerin, Schriftstellerin, Kunstmäzenin und antifaschistische Widerstandskämpferin; lebenslange Freundin der Dichterin H.D.
Lily de Clermont-Tonnerre
eine enge Freundin Natalie Barneys und Gertrude Steins; umstrittene Verfasserin zuerst links-, später rechtsorientierter, radikal-politischer Schriften.
Colette
eine der angesehensten Autorinnen Frankreichs; verfasste Hunderte von Kurzgeschichten, Romane und Essays.
Nancy Cunard
englischer Sprössling der Cunard-Dampfschiff-Familie; sie gab die Werte ihrer der Oberschicht angehörenden Eltern auf und wurde Dichterin und Gründerin der avantgardistischen Hours Press.
H.D. (Hilda Doolittle)
Dichterin und Romanautorin, die hauptsächlich in London lebte ­ mit Abstechern nach Paris; Muse von Ezra Pound; unterzog sich bei Sigmund Freud einer psychotherapeutischen Behandlung.
Janet Flanner
amerikanische Journalistin,. die 40 Jahre lang für die Zeitung The New Yorker über das Leben in Paris berichtete.

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Eileen Grey irische Designerin und Architektin, die einen eigenen eleganten und seltenen modernistischen Stil entfaltete und 75 Jahre lang am linke Seineufer von Paris lebte.
Radclyffe Hall englische Verfasserin des umstrittenen Romans The Well of Loneliness (1928), der für Toleranz gegenüber lesbischen Frauen plädierte und bis 1948 in England verboten war. Jane Heap zusammen mit Margaret Anderson Herausgeberin von The Little Review und inoffizielle literarische Agentin von Gertrude Stein. Marie Laurencin französische Malerin, die häufig in den Salons von Natalie Barney und Gertrude Stein verkehrte. Georgette Le Blanc französische Opernsängerin, die zwanzig Jahre lang mit der Redakteurin Margaret Anderson zusammenlebte. Mirna Loy in England geborene, modernistische Dichterin und Designerin, deren Arbeiten in kleineren Literatur-Magazinen veröffentlicht wurden. Adrienne Monnier französische Schriftstellerin und Redakteurin, die den führenden Buchladen für avantgardistische französische Literatur, La Maison des Amis des Livres, eröffnet. Noel Murphy amerikanische Sängerin, deren Haus außerhalb von Paris in Orgeval vielen der ausländischen Frauen am Wochenende als Treffpunkt diente. Solita Solano Redakteurin, Romanautorin, Dichterin und Journalistin, die ihre eigene schriftstellerische Karriere opferte, um Janet Flanner 50 Jahre lang emotional und praktisch unterstützen zu können. Gertrude Stein bekannteste und produktivste der modernistischen Schriftstellerinnen von Paris; war auch als Kunstsammlerin tätig und lud wöchentlich in ihren Salon ein. Alice B. Toklas lebenslange Gefährtin, Sekretärin, Verlegerin und Muse von Gertrude Stein. Renée Vivien eine begabte Dichterin, die die Nachbarin von Colette und die Geliebte von Natalie Barney war; sie starb im Alter von 31 Jahren in Paris. Dolly Wilde englische Schriftstellerin, die große Ähnlichkeit mit ihrem Onkel Oscar hatte, den sie sehr bewunderte; ihr Alkohol- und Drogenkonsum ging bis zur Selbstzerstörung. Thelma Wood Silverpoint-Künstlerin und Bildhauerin, die in den zwanziger Jahren eine qualvolle Affaire mit Djuna Barnes in Paris hatte.

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Dieser Film lief im Xenon im Oktober 2007