Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Flammend' Herz
D / CH 2004 • 95 Min. • frei ab 0
Regie: Oliver Ruts, Andrea Schuler
Drehbuch: Oliver Ruts, Andrea Schuler
mit: Herbert Hoffmann, Karlmann Richter, Albert Cornelissen und andere Tätowierte ...
Kamera / Bildgestaltung: Lars Barthel
Schnitt / Montage: Regina Bärtschi
Musik: The Dead Brothers

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Herbert, Karlmann und Albert bei einem Wiedersehen ...

Herbert ist 84 Jahre alt und der Pionier der Tätowiergeschichte. Seit seinen jüngsten Jahren ist Herbert vom tätowieren angefressen. Unverbesserlich folgt er seinem Ziel, ein eigenes Studio aufzumachen und der Kunst des Körpermalens mit Nadeln zu frönen. 1963 eröffnete er die »älteste Tätowierstube Deutschlands« und sein ausgeprägter Geschäftssinn, seine grosse Liebe zur Kunst und seine ausgesprochene Kundenfreundlichkeit verhelfen ihm zum Wohlstand in einer Branche, die damals noch »unanständig« war. Er ist am ganzen Körper tätowiert.

Albert ist 90 Jahre alt und ein Freund der Welt. Schon als junger Mann bereiste er die Meere der Welt. Auch mit Kinden und Frau wurde der gebürtige Holländer kaum sesshaft. Aufgewachsen in einer klassischen Arbeiterfamilie, in der Tätowierungen zur Tradition gehörten, fand er Freundschaft in der Tätowierstube von Herbert. Albert, der seine Kompanen ständig auf die Schippe nimmt, ist ebenfalls von Kopf bis Fuss tätowiert.

Karlmann ist auch 90 Jahre alt und heisst eigentlich Karl Herrmann. Doch das »Herr« sei irgendwann mal vergessen gegangen. Er stammt aus einer der zehn reichsten Familien in Kiel und war schon als Junge umgeben von Luxus und Dienstpersonal. Allerdings interessierte sich der junge Karlmann schon seit jeher mehr für die Tätowierungen der Seemänner, denn für seine Pflichten als Erbe des Familienunternehmens. Er wird in eine Ehe mit einer Frau gezwungen und davon durch seine Brieffreundschaft mit Herbert im Alter von 57 Jahren »befreit«. Endlich kann er zu seiner Homosexualität stehen und seiner »Sucht« nachgehen, sich ebenfalls von Kopf bis Fuss tätowieren zu lassen ...

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und so sehen die Drei nackig aus ...

Diese drei alten Herren haben soviel miteinander erlebt und sind aus ihrem Umfeld ausgebrochen, wo sie ihrer Sucht frönen und so sein konnten, wie sie schon immer wollten. Durch Herberts Aufgabe seines Studios und die Übergabe an seinen Neffen, wurde die Freundschaft der drei Männer auf eine harte Probe gestellt, die sie schlussendlich nicht bestand. Das einstige Trio trennte sich und erzählt nun von einer Zeit, in der die Körperkultur noch unanständig und unakzeptiert war.