Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Helmut Berger, meine Mutter und Ich
D 2019 • 82 Min. • frei ab 0
Regie: Valesca Peters
Buch: Valesca Peters
mit: Helmut Berger (s.a.
»Blutsfreundschaft«), Bettina Vordamme, Karla Vorndamme, Ophelia Gassmann, Christophe Montenéz
Kamera / Bildgestaltung: Patrick Jasim, Andreas Schiller
Schnitt / Montage: Valesca Peters
Musik: David Minor

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„Was macht eigentlich Helmut Berger?“, fragt sich Bettina Vorndamme, Filmfan in den besten Jahren - und googelt los. Im Netz der Schock: Skandalauftritte, Dschungelcamp, Alkoholsucht! Der Schauspielstar aus ‘Die Verdammten’ und ‘Ludwig II’, einstmals ‘schönster Mann der Welt’, scheint nur noch ein Schatten seiner Selbst zu sein. Die Finanzcontrollerin aus Niedersachen beschließt, den Niedergang zu stoppen, und ist überzeugt: Berger braucht nur einen anständigen Auftrag, dann wird er schon wieder. Mit Hilfe ihrer Tochter nimmt sie Kontakt nach Salzburg auf. Kurz darauf sitzt die Schauspielikone tatsächlich auf dem Sofa ihres Bauernhauses und trinkt Kaffee aus Omas Sammeltassen. Zwischen dem ungleichen Paar entwickelt sich eine innige Freundschaft - mit vielen Höhen und Tiefen. Und dann bekommt Helmut auch noch das Angebot, im Alter von 73 Jahren sein Theaterdebüt an der Berliner Volksbühne zu geben …

Helmut Berger, geboren am 29. Mai 1944 im österreichischen Bad Ischl, stammt aus einer Hoteliersfamilie und lässt sich zunächst im selben Fach ausbilden. Mit 18 zieht er nach London, wo er sich mit Gelegenheitsjobs durchschlägt, Schauspielunterricht nimmt und beginnt, als Fotomodell zu arbeiten. Nach seinem Umzug nach Rom ist Berger zunächst weiter als Modell und als Filmstatist tätig. 1964 lernt er an einem Strand den italienischen Starregisseur Luchino Visconti kennen. Die beiden werden später Lebensgefährten. Visconti fördert Bergers Schauspiel maßgeblich: Er besetzt ihn in seiner Episode für den Omnibusfilm ‘Hexen von heute’ (1967) und verhilft ihm mit der Rolle des Martin von Essenbeck in seinem Historiendrama ‘Die Verdammten’ (1969) zum internationalen Durchbruch. Berühmt ist vor allem Bergers Drag-Bühnennummer, in der er mit Nylonstrümpfen, High Heels und Korsage Marlene Dietrichs Showauftritt in ‘Der blaue Engel’ imitiert – eine Szene, die Billy Wilder mit dem Satz kommentierte: ‘Außer Helmut Berger gibt es heutzutage keine interessanten Frauen mehr.’ Berger wird für den Film 1970 für den Golden Globe als Bester Nachwuchsdarsteller nominiert und spielt im gleichen Jahr in Massimo Dallamanos Verfilmung von Oscar Wildes ‘Das Bildnis des Dorian Gray’ die Titelrolle. In der Folge dreht Berger eine Reihe von Filmen, die heute zu den Klassikern des Kinos der 70er Jahre zählen:

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Vittoria De Sicas ‘Der Garten der Finzi Contini’ (1970), der im selben Jahr mit dem Oscar als Bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wird; ‘Die Rivalin’ (1973) an der Seite von Liz Taylor und Henry Fonda; ‘Die romantische Engländerin’ (1975) von Joseph Losey; ‘Salon Kitty’ (1976) von Tinto Brass. Seine größten künstlerischen Erfolge feiert Berger aber mit zwei weiteren Visconti-Filmen: ‘Ludwig II.’ (1972), in dem er kongenial den bayrischen Märchenkönig verkörpert, der langsam dem Wahnsinn verfällt. Berger wird für seine Darstellung 1973 mit dem David-di-Donatello-Preis ausgezeichnet, dem wichtigsten Filmpreis Italiens. 1974 folgt Viscontis ‘Gewalt und Leidenschaft’ (1974) über einen alternden Kunstprofessor (Burt Lancaster), der sich in einen jungen Studenten (Berger) verliebt. Berger wird durch diese Rollen zum Weltstar und ist spätestens Mitte der 70er Jahre in den Boulevard-Medien omnipräsent: Er ziert als erster Mann überhaupt das Cover der Vogue und wird von der Modezeitschrift als ‘schönster Mann der Welt’ ausgerufen - wobei Berger kein Beau und kein Schönling sei, sondern schlicht ‘ein Mann von atemberaubender Schönheit’, wie das Magazin präzisiert - und wird von allen wichtigen Fotografen der Zeit (u.a. Helmut Newton und David Bailey) porträtiert. Sein ausschweifendes und extravagantes Partyleben im europäischen Jet Set bringt ihm den Ruf eines Bonvivants und Enfant terribles ein. Nach Viscontis Tod im Jahr 1976 stürzt Berger in eine tiefe persönliche und künstlerische Krise, die mit der generellen Krise des italienischen Kinos ab Mitte der 70er Jahre zusammenfällt. In der Folge kann Berger an seine frühen Triumphe nicht mehr anknüpfen. Er tritt vor allem in B-Movies auf und arbeitet nur noch vereinzelt mit namhaften Regisseuren zusammen, wie 1980 mit Claude Chabrol für die TV-Miniserie ‘Fantômas’. Sein Engagement für die damals höchst populäre US-Serie ‘Denver Clan’ bleibt ein kurzes, auf 11 Episoden beschränktes Intermezzo. 1990 sieht man ihn in einer kleinen Rolle in Francis Ford Coppolas ‘Der Pate - Teil III’. 1993 spielt er in dem von der Kritik hochgelobten Film ‘Ludwig 1881’ erneut die Figur, die ihn einst berühmt gemacht hat. Bergers TV-Auftritte in den 90er Jahren, wo er wiederholt Gast in der ‘Harald-Schmidt-Show’ und in Alfred Bioleks Kochsendung ‘Alfredissimo’ war, sind ebenso legendär wie seine Rollen in den Musikvideos zu Madonnas ‘Erotica’ (1992) und Blumfelds ‘Tausend Tränen Tief’ (1999) sowie sein Auftritt in Christoph Schlingensiefs Kultursatire ‘Die 120 Tage von Bottrop’ (1997). 1998 veröffentlicht er zusammen mit der Journalistin Holde Heuer seine Autobiographie ‘Ich’, in der er auch ausführlich von seinen weitläufigen erotischen Abenteuern mit Stars und Jet-Set-Größen berichtet.

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In den 2000er Jahren zieht sich der Schauspieler weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück. Seinen Hauptwohnsitz verlegt er von Rom zu seiner Mutter nach Salzburg. 2007 wird er mit dem Special Teddy Award der Berlinale ausgezeichnet, 2011 folgt der Kristián-Preis für sein Lebenswerk beim Filmfestival Prag. 2009 und 2011 drehte er mit dem österreichischen Regisseur Peter Kern zwei Low-Budget-Filme: ‘Blutsfreundschaft’ und ‘Mörderschwestern’. 2013 nimmt er an der RTL-Sendung ‘Ich bin ein Star, holt mich hier raus’ teil, die er aber bereits am dritten Tag wegen gesundheitlicher Probleme verlässt. 2014 und 2015 kehrt Berger noch einmal auf die große Filmfestivalbühne zurück: In Bertrand Bonellos Biopic ‘Yves Saint Laurent’, der in Cannes uraufgeführt wird, spielte er den alternden Stardesigner. Im Jahr darauf entsteht der Dokumentarfilm ‘Helmut Berger, Actor’ des österreichischen Regisseurs Andreas Horvath. Im Februar 2018 gibt Berger im Alter von 73 Jahren sein Theaterdebüt: An der Berliner Volksbühne spielt er in ‘Liberté’ von Albert Serra an der Seite von Ingrid Caven einen greisen und dahinsiechenden Adeligen kurz vor der Französischen Revolution. Im Januar 2019 hat Valesca Peters HELMUT BERGER, MEINE MUTTER UND ICH im Dokumentarfilm-Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis in Saarbrücken Weltpremiere ...

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