Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Caravaggio
UK 1986 • 93 Min. • engl.O.m.U.
Regie: Derek Jarman (s.a. »Edward II« und »Sebastiane« sowie »Derek«)
Buch: Derek Jarman nach einer Idee von Nicholas Ward-Jackson
mit: Nigel Terry (s.a. »Troja« und »Edward II«), Sean Bean (s.a. »Troja« ), Dexter Fletcher, Spencer Leigh, Tilda Swinton (s.a. »The Deep End« und »Edward II« und »Love is the Devil«), Nigel Davenport, Robbie Coltrane
Kamera / Bildgestaltung: Gabriel Beristain
Schnitt / Montage: George Akers (s.a. »Edward II«)
Musik: Simon Fisher Turner (s.a »Edward II« sowie »Derek«)

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Dexter Fletcher als junger Caravaggio, der sich als Bacchus portraitierte ...

Nach seiner Ausbildung bei einem unbekannten Künstler zieht es den 1571 in Caravaggio bei Mailand geborenen Maler Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio, nach Rom. Als er erfolglos und krank in einem Hospital landet, entdeckt dort Kardinal Del Monte das große Talent des jungen Mannes, der sich selbst als Bacchus porträtierte. Er nimmt Caravaggio in seine Obhut, und schon bald erhält dieser wichtige öffentliche Aufträge, aus denen herausragende und berühmte Gemälde hervor gehen. In einer einfachen Schänke macht Caravaggio die Bekanntschaft des Spielers Ranuccio und dessen Geliebter, der Prostituierten Lena. Caravaggio, der seine Modelle oft unter den Armen findet und von deren Leben angezogen wird, lässt sich auf eine brisante Dreierbeziehung ein. Dieser Umgang und die ungewöhnlich realistischen Darstellungen in Caravaggios Bildern machen ihn zur Zielscheibe zahlreicher Angriffe, vor denen ihn ausgerechnet die Macht des reichen Bankiers Giustiniani rettet. Als Lena den einflussreichen Kardinal Borghese kennen lernt und zu verführen versucht, gerade als Caravaggio sie als Magdalena porträtiert, setzt dies eine Spirale der Gewalt in Bewegung, in deren Verlauf Caravaggio selbst als gesuchter Mörder mehr denn je auf seine einflussreichen Beschützer angewiesen ist.

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Sean Bean als Johannes der Täufer und das Original aus dem Jahre 1604 ...

Aufsehenerregend und adäquat ist Jarmans visuelle Gestaltung des Künstlerportraits: wie Caravaggio, der als wichtigster Vertreter des clairobscur gilt (der dramatischen, nicht-realistischen Lichtgestaltung), meißelt der Filmemacher nur die Teile des Bühnenbilds aus dem Dunkel, die in der Szene eine dramatische Bedeutung haben. Dieses Konzept, aus der Notwendigkeit geboren, einen historischen Film mit einem minimalen Budget zu drehen, hat Jarman später weiter entwickelt (»Edward II«, »Wittgenstein«) und es wird heutzutage z.B. von Lars von Trier (in seiner »Amerika-Trilogie«) aufgegriffen. Für Caravaggio erhielt Jarman 1986 auf der Berlinale einen Silbernen Bären für die besondere künstlerische Gestaltung.

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die Grablegung Christi nachgestellt und das Original aus dem Jahre 1602 ...

»Ein Film über einen Homosexuellen, einen Künstler, über einen Mörder, nicht über ein Opfer. Ein eher unangenehmer Mensch.«
Derek Jarman

Dieser Film lief im Xenon im xx