Xenon Kino Berlin

Filmkunstkino in Berlin-Schöneberg

Another Gay Movie
USA 2006 • 92 Min. • frei ab 18 • dt. Fassung
Regie: Todd Stephens (s.a. Buch von »Edge of Seventeen«)
Buch: Todd Stephens, Tim Kaltenecker
mit: Michael Carbonaro, Jonah Blechman, Mitch Morris, Darryl Stephens (s.a. »Boy Culture«), Jonathan Chase, Ashlie Atkinson, Graham Norton, Lypsinka, Stephanie McVay (s.a. »Edge of Seventeen«), Ant sowie Matthew Rush
Kamera / Bildgestaltung: Carl Bartels (s.a. »Latter Days« und »Adam & Steve«)
Schnitt / Montage: Jeremy Stulberg
Musik: Marty Beller

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Jarod, Griff, Andy und Nico beschliessen bis zum Ende des Sommers ersten schwulen Sex zu haben ...

Nach einer wilden Party bei Muffler, einer lauten, ordinären Lesbe mit hohem Cheerleaderinnen-Verschleiss, beschliessen die vier jungen Schwulen Nico, Jared, Andy und Griffin bis zum Ende des Sommers den ersten richtigen aktiven, schwulen Sex zu haben. Sportass Jared sieht sich als 100 % top und bandelt mit einem attraktiven Baseballspieler aus der gegnerischen Mannschaft an, der tuckige Nico steht mehr auf die Daddy-Typen mit den drei Bs: Bart, Brille, Bauch, verabredet sich aber auch mal via Internet mit einem Pornostar, der schüchterne Intellektuelle Griffin mit der Brille verguckt sich in den attraktiven Stripper Angel ist aber eigentlich in Jarod verliebt, während Andy zumindest neugierig auf passiv, und schwer verliebt in seinen Lehrer Mr. P. ist. Natürlich kommt es alles nicht so wie geplant in dieser herrlich durchgeknallten Komödie, denn kleine Missgeschicke und -verständnisse wirbeln immer wieder die Handlung durcheinander, bis sich für alle ein mehr als befriedigendes Ende findet. Zum Schreien komisch!

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Griff träumt von Angel, ist aber heimlich in Jarod verliebt ...

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und tatsächlich kommen sich die beiden näher ...

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nachdem Angel von Griff und Jarod seinem Sportpartner sausen lassen hat, tun sich für Andy völlig ungeahnte Möglichkeiten auf ...

Und der Regisseur hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden ...
»Eigentlich war ich nicht in einer besonders guten Stimmung, als ich das Drehbuch zu
»Another Gay Movie« schrieb. Nach dem überraschendem Erfolg von »Edge of Seventeen«, konnte ich mein Nachfolgeprojekt »Gypsy 83« kaum realisieren. Das Festivalpublikum nahm diesen Film sehr gut auf, die interessierten Filmverleiher aber hatten so ihre Schwierigkeiten. Sie verstanden das Filmplakat nicht. Meine Güte dachte ich, was soll ich da noch alles reinpacken? Zudem fanden sie den Film nicht »schwul genug!«
Die schwule Filmbranche brauchte einen Tritt in den Arsch.
Langsam wurde ich ärgerlich. Ich kann mich noch gut erinnern. Wütend und mit mir selbst redend stand ich in meinem Apartment und legte die Wäsche zusammen. Ich diskutierte mit meinem Freund über den aktuellen Zustand der schwulen Filmlandschaft. Klar mögen wir Coming-Out Geschichten, romantische Sachen und natürlich schwule Dramen. Aber alles war irgendwie bekannt, ein paar Mal schon gesehen und nicht wirklich überraschend. Die schwule Filmbranche brauchte einen Tritt in den Arsch.
»Warum machen wir dann nicht einen schwulen »Scary Movie Film«, fragte mein Freund. Ich überlegte kurz, sah ihn an und dachte mir: »Wir machen den schwulsten Film, den es überhaupt geben kann!« Punkt. Ich erinnerte mich an meinen Lieblingsregisseur John Waters und seine Filme. Ihre drastische Art inspirierte mich und ich entschied mich, etwas Eindeutiges, etwas Neues zu machen. Es sollte einschlagen wie eine Bombe. Das war natürlich leichter gesagt als getan. Allein die Produktion im Vorfeld zu planen, stellte eine echte Herausforderung dar. Ich kannte aber einen Produzenten, der wagemutig und risikobereit war. Ihm gab ich das Skript, er aber gab mir schließlich eine Absage. Zuviel sollte geändert werden, fast jeder Witz tauchte abgeschwächt wieder auf. Aber anstatt mich runterkochen zu lassen, nahm ich die Sache selber wieder in die Hand und wartete, bis sich eine neue Gelegenheit ergab. Ich erinnerte mich an Jesse Adams. Wir kennen uns schon seit unserer Jugend und er half mir bei meinen ersten beiden Filmen. Ohne ihn wäre »Another Gay Movie« nicht entstanden. Auch unser Verleiher, TLA Releasing, war mehr als eine Unterstützung. Sie glaubten an mein Projekt und an meine Unbeirrbarkeit und versprachen auf meinen Wunsch hin, den Film als ungeschnittene Fassung auf den Markt zu bringen.
Die Welt von Morgen schon Heute
Jesse Adams und ich machten uns auf den Weg nach Los Angeles. Hier im südlichen Kalifornien kreierte ich den typischen Look für meinen Film. Ich wollte ein Setting, das ich
»Die Welt von Morgen schon Heute« nannte. Eine künstliche Welt, wie sie niemals sein wird, aber so sich entwickeln könnte. Retro gewissermaßen mit futuristischem Einschlag. In sechzehn Tagen schufen wir eine traumhafte Atmosphäre. Produktionsdesigner, Kostümberater und andere leisteten trotz eines knappen Budgets eine nahezu perfekte Arbeit. Die größte Freude hatte ich natürlich mit dem sehr talentierten und überaus furchtlosen Schauspielensemble. Es dauerte zwar, bis wir diese Jungs immer wieder zusammen hatten, aber wenn man sieht, dass diese Talente noch in einer Szene improvisieren können und dadurch das Drehbuch am Set komplett aufwerten, dann kann man einige andere Dinge verzeihen. Bewusst wollte ich mit schwulen Jungstars arbeiten und an ihre Seite Ikonen aus der Szene stellen, und als ich die Zusage bekam, dass Nancy Sinatra meinen Titelsong »Another Gay Sunshine Day« singt, den ich zusammen mit Marty Beller komponiert habe, da war das schon ein Traum für mich, der schließlich in Erfüllung gegangen ist.
Bei mir kann die Tucke mit dem Bodybuilder ein Date haben
Eine Zeile in dem Film lautet:
»Hühner werden mit Bären tanzen«, und das ist genau die Aussage, die ich mit meinem Film verfolge. In »Another Gay Movie« stellen wir nicht die politisch korrekten, stereotypen Schwulen dar. Bei mir kann die Tucke mit dem Bodybuilder ein Date haben, genauso wie der verklemmte Junge den ansehnlichen Sportfanatiker verwirren kann. Vielleicht ist das meine Aussage, vielleicht will ich damit sagen, dass jeder mit jedem kann, denn jeder hat etwas, was den anderen fasziniert. Egal, ob man im Sportstudio lebt oder in seinen Büchern aufgeht. Hauptsache ist doch, dass man im Leben genug Spaß hat und lachen kann. Das bedeutet aber, dass man auch über sich selbst ab und zu lachen sollte. Irgendwie habe ich das von Mae West gelernt, meiner ersten schwulen Ikone. Sie ging auf in ihrer unbekümmerten Lebensweise, machte aus dem Thema Sex nie ein Geheimnis und sie lachte für ihr Leben gern. Das wünsche ich mir eigentlich, dass das Schwulsein wirklich zu einer Identität wird. Ein Weg auf einem neuen Regenbogen vielleicht, um das alles mal ganz pathetisch abzuschließen. »Another Gay Movie« ist, neben dem unterhaltenden Wert, natürlich ein Statement, für Toleranz und Freiheit, ein Lachen über die schwule Comunity und gleichzeitig ein Film, der sagen soll: »Hey, normal ist das alles nicht, aber schön ist es trotzdem!« So einen Film hätte ich mir in meiner Jugend gewünscht, ehrlich!
Regisseur Todd Stephens, Juli 2006

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Andy macht sich Gedanken, was es bedeutet passiv zu sein ...

Dieser Film lief im Xenon im Mai bis Juli 2007