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- Unser Paradies
- »Notre Paradis« F 2011 97 Min. keine Jugendfreigabe franz.O.m.U.
- Regie: Gaël Morel (s.a. »Le Clan«)
- Buch: Gaël Morel
- mit: Stéphane Rideau (s.a. »Le Clan« und »Sommer wie Winter«), Dimitri Durdaine, Béatrice Dalle (s.a. »Betty Blue«), Didier Flamand, Malik Issolah
- Kamera: Nicolas Dixmier
- Schnitt: Catherine Schwartz (s.a. »Le Clan«)
- Musik: Camille Rocailleux (s.a. »Le Clan«), Louis Sclavis
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der Stricher Vassili ist älter geworden ...
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ein anderer Stricher taucht plötzlich auf: Angelo ...
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Vassili geht auf den Strich. Von seiner jugendlichen Schönheit
ist wenig übrig geblieben und seine Freier lassen ihn das spüren.
Gewaltsam wehrt er sich gegen die Entwürdigungen, doch hat er
die Verachtung, mit der die Kunden ihn und seinen Körper ansehen,
längst verinnerlicht. Dann, eines Nachts im Bois de Boulogne,
entdeckt Vassili einen blutenden und misshandelten Jungen, der
aus dem Nichts zu kommen scheint. Er nennt ihn Angelo, den Engel.
Es ist von Anfang an eine leidenschaftliche Amour fou, die beide
erfasst, ohne Zweifel und Misstrauen, ohne Kompromisse. Gemeinsam
gehen sie auf den Strich, ermorden und berauben ihre Freier, fliehen
schließlich aus Paris, um ihr Paradies zu suchen, wo sie mit allem
aufhören und einen Neuanfang wagen können. Doch auch Vassilis
Jugendfreundin Anna und ihr kleiner Sohn können die Katastrophe
nicht abwenden, auf die Vassili und Angelo zusteuern
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Anna, eine Freundin Vassilis von früher ...
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Vassili: »Ich komme aus einem Dorf bei Grenoble. Als Schwuler wollte ich
nur eins: nach Paris ziehen und ficken, ficken. Viele kommen her,
um Schauspieler zu werden oder so. Mir gings nur ums Ficken.
Und ich bin auf meine Kosten gekommen. Diese Stadt ist ein Bordell.
Wenn du jung und hübsch bist und Ärsche magst, bist du der King.«
Angelo: »Ich weiss. Und wenn man nicht mehr der King ist?«
Vassili: »Genau solche Fragen habe ich mir nie gestellt. Das hätte ich
mal tun sollen. Als Schwuler musst du dein Alter in Hundejahren
rechnen. Ab dreissig ist alles vorbei«.
Angelo: »Wenn man sich liebt, ist es nicht vorbei.«
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zusammen schaffen sie sich ein Paradies ...
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Vorbilder
Mir sind Brett Easton Ellis und allgemein die jüngere US-amerikanische
Literatur sehr nahe. Bei Dennis Cooper funktionieren die Geschichten
auch ohne dass seine Helden mit einer Vergangenheit ausgestattet
sind. Sie sind Helden, obwohl sie Geheimnisse haben, nicht sympathisch
sind - sondern weil sie einen Weg verfolgen. Auch Raskolnikovs
Motive für seine Verbrechen bleiben ja im Dunklen. Bei Figuren
ein nicht ganz vollständiges Bild zu zeichnen, stimuliert die
Fiktion: Der Leser oder Zuschauer kann die dunklen Bereiche auffüllen,
sich selbst dazu in Beziehung setzen, auch bei kriminellen Figuren.
Das hat mit grundloser Grausamkeit nichts zu tun.
die Gefahr, ein negatives Bild der Homosexualitätzu zeichnen
Für mich gehört Homosexualität zur sexuellen Sphäre, nicht zur
sozialen. In Filmen, im Fernsehen ist das ein Nebenaspekt von
Figuren, die arbeiten, abends nach Hause gehen usw. Die sexuelle
Realität ist - auch in diesen Fällen - etwas anderes: Clubs, Bars,
Cruising-Orte
Mein Film sollte nicht der normativen Darstellung
unserer Gesellschaft entsprechen, er hat ein sexuelles Thema.
Und ich will, dass sich schwule Zuschauer mit Kriminellen identifizieren.
Würde ich eine Frau auf die bürgerliche, häusliche Sphäre reduzieren
wollen, würden sich die Schauspielerinnen wahrscheinlich aus gutem
Grund weigern. Aber ich zeige sexuelle Lust niemals als etwas
Negatives im Gegenteil, die Szene mit dem Dreier in Vassilis
Wohnung ist wohl die glücklichste des Films.
das Thema des Alters
Das hat mich schon immer interessiert. Die Figur von Cathérine
Deneuve in Après lui verliert ja auch nicht nur ihren Sohn, sondern
auch ihre eigene Jugend, weshalb sie sich plötzlich mit Jugendlichen
anzufreunden versucht. In UNSER PARADIES kommt das Phänomen hinzu,
dass man in Schwulenkreisen mit über 40 schon als alt gilt. Da
man in der Regel nicht in Familiensituationen lebt, die einen
de facto »altern« lassen, definieren viele ihren Lebensstil über
Sexualität, und deshalb wird Jugend auch so fetischisiert. Und
fetischisiert heißt ja nicht respektiert, was bei Vassili eine
Quelle seiner Aggression gegenüber den Freiern ist. Ein Schlüsselsatz
diesbezüglich ist der, den der Arzt im Film sagt: »Eine alte Schwuchtel
wie ich muss sich andere Freuden suchen.« Das müssen Heteros natürlich
auch, aber bei den Schwulen ist das viel dramatischer (was oft
auch von unfreiwilliger Komik sein kann).
Stéphane Rideau
Stéphane hat mittlerweile viel Erfahrung, aber er ist gewiss ein
untypischer Schauspieler. Bei uns ist die Arbeitsgrundlage unsere
Freundschaft und das Vertrauen, das wir ineinander setzen können.
Stéphane macht alles, was ich als Regisseur von ihm will. Aber
er will auch alles, was ich ihm geben kann. Er trägt seine Figur
mit sich, er hat sie selbst erschaffen, insofern ist er ihr perfekter
Darsteller.
Béatrice Dalle
Schauspielerische Präsenz, das ist ein Körper, ein Blick, eine
Stimme und ein Gang. Das reicht - und ist doch nicht einfach herzustellen.
Ich war fasziniert von der Idee, die Präsenz von Béatrice Dalle
mit der von Stéphane Rideau zu kombinieren: beides Ikonen in ihrem
eigenen Reich. Beide zusammen zu sehen schafft in meinen Augen
den perfekten Eindruck zweier Erwachsener, die zu spat aus ihrer
glorreichen Jugend erwacht sind
Béatrices Rolle ist sehr wichtig
in diesem Film: eine verantwortungsbewusste Mutter, aber undurchsichtige
Frau, die unser Urteil über Vassili als Killer infrage stellt,
weil er mit ihr und ihrem Sohn anders ist, väterlich, beschützend.
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