Die Vorlage:
Unvollständiges Buch von Marquis de Sade, geschrieben von etwa
1783 bis 1785 in den Kerkern von Vincennes und der Bastille. Das
Werk galt nach dem Sturm auf die Bastille als verschollen, wurde
aber zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts von dem Sexualwissenschaftler
Iwan Bloch bei der Familie Villeneuve-Trans entdeckt und 1904
veröffentlicht. Die Übersetzung ins Deutsche musste bis Herbst
1908 auf Karl von Haverland warten.
Die Handlung spielt in einem fiktiven, abgeschiedenen Schloss
im Schwarzwald, auf dem sich vier Herren (Herzog von Blangis,
ein Bishof, Präsident von Curval, Durcet), ihren vier Frauen (Konstanze,
Adelaide, Julie, Aline, alles Töchter der Herren) mit vier Erzählerinnen
(Duclos, Champville, Martaine, Desgranges), acht Mädchen (Augustine,
Fanni, Zelmire, Sophie, Colombe, Hebe, Rosette, Michette), acht
Knaben (Zelamir, Cupidon, Narziss, Zephyr, Seladon, Hyazinth,
Giton), acht Fickern, vier alte Frauen und sechs Küchenpersonalangehörige
zurückgezogen haben bzw. wurden. Während die Erzählerinnen Geschichten
aus ihrem Leben als Prostituierte erzählen, jede 150 Stück, geordnet
nach Themen und mit steigendem Grad der Grausamkeit, bedienen
sich die Männer insbesondere der acht Knaben und acht Mädchen.
Von allen 46 Personen überleben am Ende 16, die nach Paris zurückkehren,
30 sind auf die eine oder andere Art ermordet worden.
Das Buch selbst ist unvollständig. Das Manuskript wurde auf einer
12 Meter langen, 11 cm breiten Rolle geschrieben (um sie besser
vor den Bewachern verstecken zu können), eine Abschrift, die nach
einem Vermerk am Ende in 37 Tagen beendet wurde. Von den 120 Tagen
werden nur 30 genau beschrieben, die restlichen 90 sind in Stichworten
zusammengefasst, dazu kommt eine längere Anleitung. Der Text enthält
viele Kommentare von de Sade selbst über das, was er noch verbessern
wollte. Insgesamt sollten 600 verschiedene Geschichten von den
vier Erzählerinnen erzählt werden; wirklich detailliert sind nur
die ersten 150 Stück der Erzählerin Duclos, die restlichen werden
als »Plan« dargestellt. Das Ende des Manuskripts selbst bilden
weitere Kommentare von de Sade.
Text von der deSade-Site: www.austria-de-sade.at
Bilder teilw. von der Site: www.pasolini80.com