Die Reise
nach Kafiristan


Zwei Frauen reisen mit dem Auto von Genf über den Balkan und die
Türkei nach Afghanistan. Annemarie Schwarzenbach, Schriftstellerin
aus Zürich, Antifaschistin, lesbisch, morphiumsüchtig, flüchtet
vor ihrem inneren Unglück und der politischen Zerstörung in Europa.
Ella Maillart, Fotografin aus Genf, Sportlerin, Ethnologin, der
alles im Leben zu gelingen scheint, getrieben von der Unrast und
der Suche nach Veränderung, will das archaische Leben im geheimnisvollen
Kafiristan erforschen. 1939, als die Kriegsbedrohung wächst und
radikale Umwälzungen in Europa bevorstehen, versuchen Annemarie
und Ella mit dieser Reise ins Ungewisse ihre eigenen Krisen und
ihre Orientierungslosigkeit zu bewältigen. In der Stille der langen
Fahrten durch Steppen und unendlichen Wüsten, auf kurvenreichen
Pisten und durch steile Täler, werden die beiden unangepaßten,
gegensätzlichen Frauen mit ihren eigenen Geschichten und Grenzen
konfrontiert und kommen sich näher.
Kafiristan ist ein schwer zugängliches, schluchtenreiches Hochgebirgsland
auf der Südseite des Hindukusch, nördlich von Kabul in Afghanistan.
Kafiristan wird von den Kafiri bewohnt, einem Volk des westlichen
Himalaya mit indoarischer Sprache und ursprünglich animistischen
Kulten. Daher zunächst Kafiristan (= Land der Ungläubigen) genannt,
später nach der Islamisierung Nuristan (= Land des Lichts) genannt.
Annemarie Schwarzenbach
Annemarie Schwarzenbach wurde 1908 in Zürich als Tochter einer
der reichsten Schweizer Familien geboren. Ihre Mutter war die
Tochter des Generals Ulrich Wille und einer von Bismarck. Sie
studiert Geschichte in Zürich und Paris. Zu Beginn der 30er Jahre
lebt sie als Schriftstellerin in Berlin und gehört zum Freundeskreis
von Erika und Klaus Mann (s.a. »Escape to Life«) Ihre zahllosen, rastlosen Reisen werden nur unterbrochen durch
die Entziehungkuren und ihre unglücklichen lesbischen Beziehungen.
Nach ihrer Reise mit Ella Maillart nach Afghanistan kehrt sie
1940 in die Schweiz zurück. Sie folgt den Spuren von Erika und
Klaus Mann nach New York. Dort wird sie in eine psychiatrische
Klinik eingewiesen. Die Familie schickt sie daraufhin für ein
Jahr in den Kongo. Als sie im Sommer 1942 in die Schweiz zurückkehrt,
stirbt sie mit 34 Jahren an den folgen eines Fahrradunfalls im
Engadin.
Ihr wichtigsten Bücher sind: »Freunde um Bernhard« (Lenos), »Lyrische
Novelle« (Lenos), »Bei diesem Regen« (Lenos), »Auf der Schattenseite
Ausgewählte Reportagen, Feuilletons und Fotografien 1933-1942«
(Lenos), »Das glückliche Tal« (Verlag Huber/Ullstein), »Tod in
Persien« (Lenos ), »Alle Wege sind offen - Die Reise nach Afghanistan
1939/1940« (Lenos)



Ella Maillart wurde 1903 in Genf als Tochter eines wohlhabenden
Pelzhändlers geboren. Sie verläßt früh ihr Elternhaus und heuert
als 'Kabinenjunge' auf einer Yacht im Mittelmeer an. 1924 nimmt
sie als Seglerin an den Olympischen Spielen in Paris teil. Sie
schlägt sich weiter als Abenteurerin durchs Leben, gründet das
erst Damen-Hockey- Team der Schweiz und ist Mitglied der Schweizerischen
Ski-Nationalmannschaft. Für Filme der Ufa ist sie als Stuntfrau
tätig. Bei ihrer ersten Reise nach Moskau im Jahre 1929 beginnt
sie zu fotografieren und berichtet fortan als Reiseschriftstellerin
von ihren Reisen. 1935 durchquert sie mit Peter Fleming, mitten
im chinesischen Bürgerkrieg, von Peking aus, das Tibet und gelangt
in sechs Monaten bis nach Kaschmir. Bei ihrer Reise mit Annemarie
Schwarzenbach ist sie die erste Frau in der Schweiz, die einen
Film dreht. Von Kabul aus reist sie nach Indien weiter und bleibt
dort bis Kriegsende bei einem Meister. 1945 kehrt sie in die Schweiz
zurück und lebt in einem kleinen Bergdorf in den Walliser Alpen.
Sie stirbt 1997 im Alter von 94 Jahren.
Ihre wichtigsten Bücher sind : »Ausser Kurs« (Heyne), »Vagabundin
des Meeres« (Heyne), »Turkestan Solo« (Heyne), »Verbotene Reise«
(Heyne), »Geliebte Seidenpfote« (Piper), »Flüchtige Idylle« (Efef
Verlag), »Der bittere Weg« (Lenos, Neuauflage von »Flüchtige Idylle«,
der Reise mit Annemarie Schwarzenbach).
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