Peter Berlin: Kunstwerk, Model, Fotograf, Legende. Er, der aus
armen Verhältnissen stammt und in den frühen 70er Jahren von Deutschland
nach San Francisco geht, nur um hier nach seinen eigenen Vorstellungen
leben zu können, schnell zu einer Ikone wird und mit schwulen
Undergroundpornofilmen zum Star der Kunstszene avanciert. Für
Andy Warhol legte er sich auf den Tisch, mit Robert Mapplethorpe
verbrachte er den Sommer auf Fire Island, Tom of Finland porträtierte
ihn und John Waters ist noch heute sein grösster Fan.
John Waters: »... Ich weiß nicht, ob er für mich antörnend war oder nicht,
aber ich musste ihn dauernd anschauen. Ich sah ihn gerne an und
wunderte mich vor allem, wenn er einfach aus dem Bus ausgestiegen
war. Mein Gott, dachte ich, so geht er jeden Tag aus!«
Regisseur Jim Tushinski: »... Ende 2002 erzählte mir mein Freund Robert Boulanger, dass
Peter Berlin genau unter seinem Appartement wohnen würde. Ich
hatte nur ungefähre Vorstellungen von ihm, obwohl ich genau wusste,
wer er war und was er für seine Zeit, die 70er Jahre, bedeutete.
Ich sah ihn mal zufällig in San Francisco; das war aber schon
in den 80er Jahren, aber ich war weder von ihm, noch von seinem
Metier, dem Pornogeschäft besonders angetan. Aber als Robert Boulanger
begann, die Geschichte von Peter Berlin, seinen Beziehungen zu
Robert Mapplethorpe, Rudolf Nurejew und Andy Warhol zu erzählen,
wurde ich aufmerksam und dachte mir, dass man dieses Stück künstlerische
Zeitgeschichte in irgendeiner Weise bewahren sollte.
Der Anfang war schwierig. Die ersten Gespräche verliefen sehr
distanziert und kühl und erst im dritten Aufeinandertreffen konnte
ich Peter Berlin mein Vorhaben erklären, einen Dokumentarfilm
über ihn zu machen. Peter war an seinem eigenen Image als Ikone
wenig interessiert, um nicht zu sagen desinteressiert. Zudem wollte
er sich an meinen Planungen zu diesem Projekt nicht wirklich aktiv
beteiligen. Ich entschied mich, den Einstieg in dieses Projekt
sehr intim und privat zu gestalten. Vielleicht schaffte ich es
dann, das Eis zu brechen.
Nach über 40 Stunden Interviews in knapp 18 Monaten hatte ich
ihn soweit. Peter wirkte weniger reserviert, aber den Inhalt meines
Films bestimmte er. Eine Tages zeigte mir Peter eher beiläufig
Unglaubliches. Hunderte von Fotografien, Filmrollen und Videos,
HI-8 und 16mm Filme aus den 60er und 70er Jahren, all das verstaut
unter seinem enormen Bett, das fast ein gesamtes Zimmer beanspruchte.
Als ich die 16mm Filmkopien auf Video übertrug, war ich relativ
erstaunt darüber, was fast 40 Jahre im Verborgenen bleiben konnte:
Peter auf den Straßen von Paris, Peter beim cruisen im Castro-Viertel
von San Francisco, Peter masturbierend im Zug von Deutschland
nach Frankreich.
Auch Peter war erstaunt, konnte er sich doch tatsächlich an einige
Filmaufnahmen nicht erinnern. Dann sahen wir uns viele Sachen
gemeinsam an, sahen Lofts in New York, Ferienfilme von Long Island
und immer wieder Peter, posierend und immer auf der Suche nach
dem Objektiv der Kamera. Mir war klar, dass ich ein großes Projekt
vor mir hatte.«
mit Ausschnitten aus:
»Nights in Black Leather«, »That Boy«, »Blueboys«, »Ciro and Peter« mit freundlicher Unterstützung von Peter Berlin
»Boys in the Sand«, »Gay Parade San Francisco 1974« mit freundlicher Unterstützung von Wakefield Poole
»Kansas City Trucking Company« mit freundlicher Unterstützung von Joe Gage
»Games« mit freundlicher Unterstützung von Falcon Studios
»Who Killed Teddy Bear?« mit freundlicher Unterstützung von Streamline Films
»Gemini, Cruisin the Castro« mit freundlicher Unterstützung von Bijou Video Steven Toushin