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Der Tag erwacht in Kure Beach, North Carolina, und mit ihm Mark, der Rastlose, der Schüchterne, der Ausreisser. Hier an diesem Abschnitt legen die Loggerheads, eine bedrohte Schildkrötenart, ihre Eier. Wie alle Schildkröten kommen sie dahin zurück, wo ihr eigenes Leben begann. Morgens baut er Zeichen in den Sand, kennzeichnet die Stelle, wo die Schildkröten ihre Eier vergraben haben und macht sich auf den Weg in den Tag. George, der örtliche Motel-Besitzer, betrachtet aus der Ferne diesen jungen Mann und eines Abends kommen sie ins Gespräch. Vielleicht sind sie die beiden Unbekannten, die sich im Ozean des Lebens treffen, vielleicht ist es dieser Augenblick der Begegnung, der sie ein Stück gemeinsam gehen lässt. Oder es ist der Moment, der ewig dauern soll. Das Leben von Marks Adoptiveltern scheint zugleich in der Zeit zu erstarren. Robert und Elizabeth wohnen in einer idyllischen Vorstadtsiedlung von Eden, ein bezeichnender Name für eine Stadt im Herzen des Staates Carolina. Lange schon haben sie nichts mehr von ihrem Sohn gehört. Sein Leben, sein frühes Bekenntnis zu seiner Homosexualität passten nicht in ihren traditionellen und religiös gelebten Alltag. Er ist Pfarrer, sie die treu sorgende Hausfrau mit einem Blick für alles, was gegen die Norm ist oder zu sein scheint. Doch gerade bei ihr schimmern Momente durch, wenn sie manchmal heimlich draußen auf der Veranda raucht und darüber nachdenkt, wo ihr Sohn Mark wohl gerade ist. Und während Elizabeths Blick dem Zigarettenrauch in den Himmel folgt, sieht sie vielleicht das Flugzeug, dass nicht weit entfernt auf dem Flughafen Asheville landet, wo Grace arbeitet. Sie ist Marks leibliche Mutter, musste in jungen Jahren ihren Sohn zur Adoption freigeben. Zu unerfahren für ein eigenes Leben und erst recht zu jung für zwei Leben. Damals gab es keine andere Möglichkeit, heute ist es für sie schwer, ihren Weg überhaupt zu gehen. In jedem jungen Mann, der auch nur annähernd das Alter von Mark hat, meint sie ihren Sohn zu erkennen. Der aber genießt die Augenblicke mit George, das Gefühl, auch ohne lästigen Fragen verstanden zu werden. Es ist eine zaghafte, zärtliche und intensive Beziehung, die beide eingehen. Langsam bewegen sich alle aufeinander zu, ihre Lebenslinien scheinen sich bald zu kreuzen, obwohl sie noch Meilen voneinander getrennt sind. Grace kündigt ihren Job. Will sie die Ungewissheit und das Verlangen nach ihrem Sohn stillen, dann muss sie ihn finden, dann muss sie wissen, was aus ihm geworden ist. Aber Jahre nach der Freigabe ist es schwer, die Adoptiveltern zu finden. Das Gesetz und der Staat geben zum Schutz der Kinder keine Informationen weiter. Grace verzweifelt, findet aber in letzter Minute einen Weg, den sie weitergehen kann, einen Weg, der sie direkt zu Robert und Elizabeth führt. Und gerade jetzt, in diesen Zeiten des Wandels, in der plötzlichen Gegenüberstellung mit Grace, spürt Elizabeth, dass sie gegen das Vergessen ihres Sohnes nicht mehr angehen kann. Der Widerstand bricht. Zu stark sind ihre Gefühle und je mehr sie von Robert darauf eingeschworen wird, dass alles der Wille Gottes sei, entfernt sie sich von ihrem bisherigen Leben und Denken. So wie Mark, der eines Morgens verschwunden ist, hinausgetreten in die Welt, wie die neugeborenen Loggerheads am Strand von Kure Beach, North Carolina. Sie müssen den Weg ins Leben noch finden; andere sind ihn schon längst gegangen ... |
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