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- Ein Leben lang kurze Hosen tragen
- Deutschland 2002 83 Min.
- Regie: Kai S. Pieck
- Buch: Kai S. Pieck, Paul Moor nach Aufzeichnungen von Jürgen Bartsch
- mit: Tobias Schenke, Sebastian Urzendowsky, Ulrike Bliefert, Walter
Gontermann, Jürgen Christoph Kamcke
- Kamera: Egon Werdin
- Schnitt: Ingo Ehrlich
- Musik: Kurt Dahlke
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der inhaftierte Jürgen Bartsch berichtet in der »Heilanstalt Eickelborn«
vor einer Videokamera aus seinem verkorksten Leben ...
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auf'm Rummel lernt er seine späteren Opfer kennen ... um sie entweder
mit nach Hause zu nehmen, oder in einer Höhle im Wald zu quälen
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ein trostloses, düsteres, vermufftes Aufwachsen bei den Adoptiveltern
in den 60er-Jahren ...
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In den Jahren 1962 bis 1966 entführte, missbrauchte und tötete
der Metzgergehilfe Jürgen Bartsch im Ruhrgebiet vier halbwüchsige
Jungen. Bei seinem ersten Mord war er 15 Jahre alt und 19, als
man ihn fasste. Bartsch fesselnde Beichte während einer Therapiesitzung
1972 in der Landesheilanstalt Eickelborn bildet den Rahmen für
szenische Rückblenden, die die Morde und seinen Lebensweg nachzeichnen
- eine Reise in die Abgründe einer kranken und geschundenen Seele.
Bartschs kaltherzige und strenge Adoptiveltern, die unmenschlichen
Erziehungsmethoden, unter denen er in einem katholischen Internat
zu leiden hatte, der Moment als ihm klar wurde, dass er sich von
kleinen Jungen sexuell angezogen fühlte, seine Sehnsucht niemals
erwachsen zu werden - Schlüsselerlebnisse und Mosaiksteine, die
den jungen Jürgen zur »Bestie von Langenberg« machen sollten,
wie die Presse ihn später titulierte. Das bezwingende Psychogramm
eines Unscheinbaren als beklemmende Reise ins Dunkel ...
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die erzkonservative, lustfeindliche Erziehung im katholischen
Internat...
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Zu Hause werden merkwürdige homoerotische oder Gewalttätige Spielchen
gespielt ...
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Als Grundlage für den Film »Ein Leben lang kurze Hosen tragen« diente das Buch »Jürgen Bartsch: Opfer und Täter - Das Selbstbildnis eines Kindermörders
in Briefen« des amerikanischen Journalisten Paul Moor, erschienen 1991 im
Rowohlt Verlag.
Im Juni 1966 berichteten alle deutschen Zeitungen auf Seite eins
über die Verhaftung eines 19-jährigen Metzgergesellen namens Jürgen
Bartsch, der zwischen 1962 und 1966 auf unvorstellbargrausame
Weise vier Schuljungen missbraucht und zu Tode gequält hatte.
Diese Sex-and-Crime-Sensation alarmierte den amerikanischen Journalisten
Paul Moor, der damals seit 15 Jahren in Deutschland lebte und
als Korrespondent über Berlin und den Ostblock berichtete. Paul
Moor nimmt Ende 1967 als Berichterstatter an dem Wuppertaler Bartsch-Prozeß
teil. Er will ein Buch schreiben über diesen Jahrhundert-Fall.
Aber das Gericht lehnt Moors Bitte um ein Interview mit Jürgen
Bartsch ab. Doch aufgeben will der psychoanalytisch versierte
Amerikaner nicht. Nach einem Weihnachts-telegramm vom 24.12.1967
kommt der Kontakt zustande, von nun an schreibt Paul Moor Brief
um Brief an den verfemten Mörder in der Haftanstalt. Und Jürgen
Bartsch fasst Vertrauen, er antwortet, er schreibt sich alles
von der Seele, was ihn zum Opfer und zum Täter gemacht hat - den
letzten Brief am 21.4.1976, eine Woche vor seinem Tod.
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In über acht Jahren haben sich bei Paul Moor Hunderte von Jürgen-Bartsch-Briefen
angesammelt - das erschütternde Selbstbildnis eines vierfachen
Kindermörders, wie es die Literatur bisher nicht kannte. Für die
wissenschaftliche Forschungsarbeit hat Paul Moor (
) das gesamte
Corpus aller schriftlichen Zeugnisse von Jürgen Bartsch buchstabengetreu
eingespeichert und chronologisch geordnet. Kopien dieser Disketten
sind sexualwissen-schaftlichen Instituten in Deutschland und Amerika
zur Verfügung gestellt worden. (zitiert aus dem Klappentext des
Buches). Aus dieser Veröffentlichung, den Briefen Bartschs und
den ergänzenden Schilderungen Paul Moors sowie eigener Recherche
wurden die Szenen des Films entwickelt, Tathergänge und Abläufe
rekonstruiert und dramatisiert, Dialoge geformt und in die eigene
Dramaturgie integriert. Der Großteil des Erzählten ist also authentisch,
ein geringer Teil zwar fiktiv, hat sich aber so oder ähnlich zugetragen.
Einige Figuren haben ihren Ursprung in mehreren authentischen
Personen. Sämtliche Namen, bis auf die von Jürgen und der Familie
Bartsch, wurden geändert.
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Biographie Jürgen Bartsch:
- am 6.11.1946 wird Jürgen Bartsch in Essen als Karl-Heinz Sadrozinski
unehelich geboren. Das Kind wird zur Adoption freigegeben, da
die Mutter es nicht haben will.
- Im Sommer 1947 nehmen Gerhard und Gertrud Bartsch den Jungen zu
sich. »Karl-Heinz« erhält den Namen »Jürgen«, damit nichts mehr
an seine Vorgeschichte erinnert.
- April 1953 bis 1957 katholische Volksschule.
- Erst 1954 können Herr und Frau Bartsch Jürgen adoptieren, verheimlichen
ihm aber lange Zeit, dass er nicht ihr leibliches Kind ist
- 14.4.1958 - 18.10.1960 Schul-Internat der Salesianer »Don Bosco«,
Marienhausen in Aulhausen/Rheingau. In dieser Zeit entdeckt er
per Zufall, dass er adoptiert wurde.
- Herbst 1960 bis März 1961 Gemeinschaftsschule in der Siedlung
in Langenberg.
- April 1961 bis April 1964 Berufsschule einmal in der Woche in
Essen auf dem Gelände des Schlachthofes und Lehre, später dann
in der Metzgerei seines Vaters, der ihn unter Kontrolle haben
will.
- am 31.3.1962 begeht er seinen ersten Mord.
- am 6.8.1965, knapp 3 Jahre später, tötet er den zweiten Jungen.
- am 14.8.1965 begeht er den dritten Mord.
- Ende 1965 beginnt er zu trinken.
- am 6.5.1966 tötet er sein viertes und letztes Opfer
- am 18.6.1966 versucht er wieder zu töten, das Kind kann aber aus
dem Bunker entkommen und erstattet Anzeige gegen Unbekannt.
- am 21.6.1966 findet Jürgens Verhaftung aufgrund eines Hinweises
aus der Bevölkerung statt.
- vom 27.11. - 15.12.1967 erster Prozess in Wuppertal unter großer
Beachtung der Öffentlichkeit und der Medien, national wie international.
Das Gericht betrachtete Jürgen Bartsch als voll zurechnungs-fähigen
Erwachsenen und verurteilte ihn zu fünfmal »lebenslänglich«.
- kurz nach dem ersten Prozess, unternimmt er eine Art vorgetäuschten
Selbstmordversuch, um fliehen zu können. Er schnitt sich die Hand
bis kurz vor die Pulsader auf und schmuggelte im Krankenwagen
unter seinem Mantel eine aus Seife gebastelte Pistole heraus.
Der Fluchtversuch scheiterte kläglich.
- 1968 erster ernstgemeinter Selbstmordversuch durch Seife essen.
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- Anfang 1970 zweiter Selbstmordversuch mit 30 Tabletten »Lambatril«.
- vom 16.3. - 6.4.1971 Revisionsprozess in Düsseldorf unter großer
Beachtung der Öffentlichkeit und der Medien. Er wird zu 10 Jahren
Jugendstrafe und anschließender Unterbringung in einem psychiatrischen
Krankenhaus verurteilt.
- 1972 dritter Selbstmordversuch durch gleichzeitiges Stecken zweier
Kugelschreiberminen in die Steckdose.
- 15.11.1972 als Patient in die geschlossene Abtei-lung der Landesheilanstalt
Rottland in Eickelborn.
- In Eickelborn und Umgebung hatte es weit und breit keinen psychoanalytisch
ausgebildeten Psychothera-peuten gegeben. Der für ihn zuständige
Psychiater schätzte, dass er während der 41 Monate, die Bartsch
dort verbrachte, etwa 80 Gespräche mit ihm führte; im übrigen
wurde der Patient medikamentös und mit einer Art Gruppentherapie
behandelt. Bartsch beantragte eine stereotaktische Gehirn-operation
- einen Eingriff, den viele psychiatrische Kapazitäten verdammten
und verbieten lassen wollten. Eine ärztliche Kommission untersuchte
ihn und lehnte seinen Antrag ab.
- Bartsch entschied sich daraufhin für die allerletzte Lösung und
beantragte seine Kastration.
- am 28.4.1976 stirbt Jürgen Bartsch im Alter von 29 Jahren nach
dem operativen Eingriff auf dem Operationstisch an einem Narkosefehler.
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