Kinogeschichte: Nachdem die Gebrüder Skladanowsky bereits im Jahre 1895 mit dem
Bioscopen den ersten Filmprojektor erfunden hatten, die französischen
Gebrüder Lumiere aber die technisch überlegenere Technik entwickelt
hatten, war das Kino geboren. Die ersten bewegten Bilder waren
1895 im Berliner Wintergarten-Varieté zu sehen. Seit diesem Zeitpunkt
wurden Filme zuerst in Läden und Geschäften projeziert, wegen
des wachsenden Erfolges entstanden dann aber auch schnell spezielle
Vorführsäle: die Kinos. Als ältestes Kino überhaupt gilt das Tivoli
in Pankow, welches allerdings nach Mauerfall 1994 abgerissen wurde.
Xenon-Geschichte: Das Xenon Kino ist - 1909 als Colonna in der damaligen Colonnenstr.
(heute: Kolonnenstr.) eröffnet - nach dem Kreuzberger Moviemento
das zweitälteste noch im Betrieb befindliche Kino Berlins, und
das älteste nachweisbare Kinemathographentheater Schönebergs.
(Quelle: Kinoarchtitektur in Berlin 1885 - 1995, Hänsel/Schmitt,
Reimer Verlag).
Das Kino wurde im Erdgeschoss eines ganz normalen Berliner Mietwohnhauses
eingerichtet und erstreckt sich schlauchartig über den Seitenflügel (s. a. die versch. Bestuhlungspläne)
Die mit Abstand kontinuierlichsten Betreiber waren für stattliche
42 Jahre das Ehepaar Reiß, welche das Kino von 1932 - 1974 betrieben
haben.
Lt. Selbstdarstellung nie Parteimitglieder, obwohl seinerzeit
jeder Filmtheaterbetreiber Mitglied der NSDAP sein musste, gelang
es ihnen das Kino mit Unterhaltungsfilmen und Kindervorstellungen
durch die NS-Zeit und den 2. Weltkrieg zu bringen, und auch noch
zwei weitere Kinos hinzuzukaufen: 1936 den Filmhof in der Vorbergstr.
1 (der spätere Notausgang - heute ein leerstehendes Ladengeschäft), sowie 1956 die Tonburg in der Hauptstr. 11 (1960 abgerissen).
Direkt nach dem Krieg war das Kino wegen zusammengebrochener Stromversorgung
nur für einige Tage geschlossen. Als die Russen kamen, wurden
manches Mal von Soldaten mitgebrachte russische Filme in gemieteten
Vorstellungen vorgeführt. Dann kamen die Amerikaner, die aber
keine Verwendung für das Kino hatten.
Bis in die 60er-Jahre ging es Besuchermässig laufend aufwärts.
Durch die Einführung des Fernsehens kam dann der richtige Rückgang
der Besucherzahlen. Während dann in den Ku'Damm-Kinos die neuen
US-Filme liefen, hielt sich das Colonna weiterhin mit Filmen für
die ganze Familie über Wasser.
(Quelle: »Ein Leben lang Kino«, Radio Feature von Dieter Streipert,
Deutschlandfunk 1977)
1974 konnte schliesslich Karl Winter (heute Verleih der Freunde der dt. Kinemathek) die Reiß' dazu überreden ihr Kino zu verkaufen. Aus dem Colonna
wurde ein sogenanntes Programmkino. Allerdings verliefen diese
Jahre längst nicht so erfolgreich, sodass das Kino in der Folge
alle zwei - drei Jahre seinen Besitzer wechselte.
1983 schliesslich wurde aus dem Colonna das neue Xenon Kino. Doch
die Betreiberwechsel gingen weiter. Neue Kontinuität zog erst
wieder 1990 ein, als die Sputnik Kino GmbH & Co Kino KG (heute liquidiert) das abgewirtschaftete Kino übernahm. Als das Sputnik-Kollektiv
1995 dann auseinanderging, übernahmen die Sputnik-Gesellschafter
Habiger & Wieske das Kino, und positionierten es seitdem erfolgreich
mit dem Schwerpunkt auf schwul-lesbischen Filmen.
10 Jahre später im Jahre 2004, übernahm Andreas Wieske das Kino
schliesslich allein. Nach wie vor liegt der Programmschwerpunkt,
wie man neuerdings sagt: auf dem »queeren« Film (meint: andersartig und schliesst z.B. transgender mit ein). Aber auch das Kinderprogramm ist mit rund einem Drittel der Gesamt-Besucherzahl
ein wichtiges Standbein im Programm.
Ein grosses Danke Schön! an den freien taz-Autoren Matthias Reichelt
für Recherche-Arbeiten und überlassene Materialien!