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»Happiness« ist kein glücklicher Film. Es ist ein Film über einsame,
verzweifelte Menschen auf der Suche nach einem Fluchtweg aus ihrem
Leben, nach Liebe, nach Glück. Viele ihrer Handlungen sind unakzeptabel: Mit gehöriger Distanz zeigt Solondz eine Welt, in der auch ein
Päderast, der zehnjährige Jungen unter Drogen setzt und vergewaltigt,
ein obzöner Anrufer, der Frauen terrorisiert und dazu masturbiert,
oder eine Mörderin, die ihr Opfer in Stücke hackt, funktionierende Mitglieder einer Gesellschaft sind, in der alles erlaubt ist, so lange der Schein der Normalität
gewahrt bleibt. Weder entschuldigt noch goutiert Solondz ihre
Handlungen, aber er dämonisiert seine Figuren auch nicht und zwingt
den Zuschauer so zur Auseinandersetzung mit den Menschen, die
hinter diesen unaussprechlichen Taten stehen. Scheinbar mühelos
gelingt es dem Filmemacher in langen, irgendwo zwischen Altman
und Lynch angesiedelten Szenen, Tragik und Komödie perfekt auszubalancieren,
erschütternde Segmente humorvoll aufzulösen und umgekehrt leichte
Momente unvermittelt in puren Horror umkippen zu lassen. In diesem
elektrisierenden Wechselbad der Gefühle folgt »Happiness« drei
erwachsenen Schwestern, ihren gegenwärtigen oder zukünftigen Partnern
und ihren vor der Trennung stehenden Eltern in Florida. Während
der jüngsten Schwester Kay, die von ihrer Umwelt nach Strich und
Faden ausgenutzt wird und sich dennoch nie unterkriegen läßt,
bei ihren erniedrigenden Erlebnissen mit ihren herablassenden Schwestern, einem tödlich
beleidigten Verehrer und einem russischen Taxifahrer offensichtlich
die meisten Sympathien des Filmemachers gehören, drängt sich die
Geschichte des Päderasten schon aufgrund
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ihres schockierenden Inhalts in das Zentrum des Geschehens. Auch,
weil der Psychiater Dr. Maplewood mit seiner Traumfamilie auf
den ersten Blick wie die perfekteste Figur in »Happiness« erscheint,
wenn er seine stetig kochende oder putzende Frau herzt oder seinem
Sohn geduldig Nachhilfe bei drängenden Pubertätsthemen gibt. Mit apokalyptischen Gewaltphantasien oder der Masturbation zu Teenie-Heftchen offenbart sich der von Dylan Baker phänomenal gespielte Mann
aber schnell als Opfer unkontrollierbarer und unverzeihbarer Obsessionen.
Am Ende des Films wird er von seinem Sohn zur Rede gestellt: Das
Filmjahr 1999 muß sich schon sehr anstrengen, will es diese herzzerreißende, schonungslos offene Szene überbieten, die wahrhaftig den Atem stocken läßt ... Thomas Steiger in Blickpunkt Film
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