Eines Nachts wacht Dorian Lagatos chweißgebadet auf, schaut sich
in seinem Zimmer um und muss feststellen, dass alles kein Alptraum
war: Er ist schwul, er fühlt es. Aber was jetzt machen? In der
Familie wird er keinen Rückhalt und noch nicht einmal einen Hauch
von Verständnis erfahren. Dafür ist der Vater zu konservativ,
und die Mutter? Dorian vergleicht sie mit der Berliner Mauer.
Einige konnten sie überwinden, andere schaffen es ihr ganzes Leben
lang nicht. Das alles sind keine schönen Aussichten für ein Coming-Out
in einer amerikanischen Kleinstadt.
Allein sein Bruder Nicky, sexy, charmant, ein Sport-Ass und natürlich
hetero, kann Dorian verstehen. Was bleibt ihm auch anderes übrig,
schließlich sind sie Brüder und so ist er der einzige Verbündete
in dieser schwierigen Zeit.
Denn Dorian braucht viele Stellen, an die er sich wenden kann.
Fast täglich rennt er zu seinem Therapeuten. Hauptperson bei diesen
Sitzungen ist nicht etwa Dorian als Patient, sondern eine weiße
Puppe, stellvertretend für den Vater, der Dorian gegenübertreten
und sagen soll:
»Dad, ich bin schwul!« Das will dem jungen Schüler einfach nicht gelingen.
Doch das richtige Leben findet nicht hier in der Therapiestunde
statt. In der Schule lernt er Spooky kennen, mit ihm hat er seinen
ersten Kuss, den ersten, »angedeuteten« Sex, die erste unbeschwerte
Zeit. Doch es hilft alles nichts, nicht das exzessive Zähneputzen
nach diesen Treffen, nicht das Grübeln, gar nichts. Vielleicht
ist er gar nicht der typische Schwule, so wie er sich selbst sieht?
Vielleicht kann man aus ihm doch noch einen ganz »normalen« Jungen
machen? Jetzt nimmt sein Bruder Nicky die Sache in die Hand und
versucht, Dorian zu einem richtigen Kerl auszubilden. Sprache,
Bewegung, Mimik ... einfach alles muss stimmen, muss männlicher
werden. Die ersten Erfolge werden sichtbar. Die beiden besuchen
ein Strip-Lokal und lernen Tiffany kennen, die für 100 Dollar
Nicky verspricht, in einer Nacht aus Dorian einen richtigen Mann
zu machen. Doch Dorian verliert hier nicht seine Unschuld, sondern
er gewinnt die Erkenntnis, dass er wohl niemals hetero wird. Vielmehr
nimmt er jetzt sein Leben selber in die Hand und sucht das offene
Gespräch mit dem Vater, das in einem Desaster von Peinlichkeiten
endet ...
Er verlässt noch in derselben Nacht die Stadt und macht sich auf
den Weg nach New York, wo die Männer, die Liebe und schließlich
das Leben warten. Vor dem Coming-Out ist nach dem Coming-Out ...