1972 überfiel John Wojtowicz eine Bankfiliale in Brooklyn, um
mit der Beute die Geschlechtsumwandlung seines Geliebten zu finanzieren;
er nahm Geiseln und wurde schließlich am Flugplatz überwältigt.
Sidney Lumets Film »Hundstage - Dog Day Afternoon« mit Al Pacino basiert auf diesen Vorgängen.
Stokman holt die Beteiligten von damals - Geiseln, Polizisten
- vor die Kamera, nur Wojtowicz stellt sich quer. Wir hören lediglich
seine Stimme aus Telefonaten mit dem Regisseur, in denen der Bankräuber
seine Kooperation von absurden Forderungen abhängig macht ...
Bei der Gerichtsverhandlung wird John Wojtowicz erklären, er wollte
mit der Beute die Geschlechtsumwandlung seines Liebhabers Ernie
Aaron alias Liz finanzieren und so dessen Leidensweg mit Selbstmordversuchen
und Aufenthalten in der psychiatrischen Klinik beenden. Das spektakuläre
Motiv macht den Fall für die Massenmedien interessant. Eine TV-Moderatorin
lädt Liz in ihre Talkshow ein und lässt John anschließend Grüße
aus dem Gefängnis in die Kamera sprechen: »Es war wohl Liebe«, sagt John, »denn Liz war lausig im Bett.« Die Ironie der Geschichte: Erst durch das Geld, das Hollywood
ihr für die Story zahlte, kann sich Liz die Operation leisten
ihrem Liebhaber ist sie nie mehr begegnet. Liz stirbt 1987 an
den Folgen von Aids. Als Wojtowicz seine Strafe verbüßt hat, kehrt
er nach Brooklyn zurück und zieht in ein Haus, das nur wenige
Häuserblocks vom Ort seines Überfalls entfernt ist. Seither führt
John Wojtowicz ein Leben im Schatten einer filmischen Erinnerung,
die nicht die seine ist. Unter den vielen Augenzeugen, die sich
nach der Tat und aus Anlass ihrer Verfilmung zum Verlauf des 14-stündigen
Geiseldramas äußerten, fehlte bislang Wojtowicz Darstellung.
In Walter Stokmans Film bekommt man sie wenn auch anders als
geplant - erstmals zu hören.