Obwohl Reykjavík, die Hauptstadt Islands, kleiner ist als ihre
Bewohner zugeben möchten, so wird die mangelnde Größe durch ein
wildes kosmopolitisches Nachtleben mehr denn wettgemacht. Auf
wilden Partys umgeben von Rauch, einem hämmernden Rhythmus und
erhitzten Gemütern ist es einfach zu vergessen, dass draußen,
im Postkreis 101 Reykjavík, die arktische Kälte lauert. Nicht
dass Hlynur, der Antiheld dieser schwarzen Komödie, eine Ahnung
hätte, wo er sich genau befindet, da er sein Leben fast ausnahmslos
in Bars verbringt. Er scheint sich weit mehr für Bier zu interessieren,
als für die Frauen, mit denen er die Nächte verbringt. Der 28-jährige
lebt immer noch bei seiner Mutter Berglind und will partout nicht
einsehen, warum er sich eine eigene Wohnung oder gar eine Stelle
suchen sollte; er genießt das Nichtstun. Als seine Mutter jedoch
ihre Flamencolehrerin Lola über die Weihnachtstage einlädt, wird
dieses bequeme Lebenskonzept in Frage gestellt. Die heißblütige
Spanierin bringt wenig Verständnis für Hlynurs zielloses in die
Nacht Hineinleben auf. Dennoch zieht sie am Weihnachtsabend mit
ihm durch die Bars auf der Suche nach hübschen Frauen. Im Bett
jedoch landet sie letztendlich mit ihm. Als seine Mutter und Lola
ihm einige Zeit später eröffnen, dass sie ineinander verliebt
seien, fällt er aus allen Wolken. Das Coming-out seiner Mutter
ist aber nur der Anfang. Als Lola plötzlich schwanger und Berglind
über die bevorstehende Geburt überglücklich ist, dämmert es dem
nun völlig verunsicherten Hlynur, dass er möglicherweise als unfreiwilliger
Samenspender bald der Vater seines eigenen Geschwisterchens werden
könnte...
Die Dreieckskomödie ist die Verfilmung des gleichnamigen Buches
des in Island sehr populären Schriftstellers Hallgrimur Helgason.
Sie spielt im Rhythmus der Songs, die vom Exleader der Sugarcubes,
Eimar Ørn, und vom Sänger der englischen Britpopband Blur, Damon
Albarn, komponiert wurden. Letzterer besitzt mit Kormákur zusammen
die Bar Kaffibarinn, in der sich der größte Teil des Films abspielt.
Kormákur begegnete Helgason in eben diesem Lokal, als dieser ein
noch nicht veröffentlichtes Manuskript in den Händen hielt. Kormákur
gefiel das Buch so gut, dass er es sofort verfilmen wollte: die
nonchalante und bezugslose isländische Jugend, die im eiskalten
Reykjavík umherirrt.